Banken
Britische Banker in Angst

Die Proteste gegen Top-Bankmanager nehmen immer groteskere Formen an. Nun wurde in Edinburgh das Wohnhaus von Fred Goodwin angegriffen. Der ehemalige Chef der Royal Bank of Scotland bezieht üppige Pensionszahlungen.

LONDON. An Drohungen gegen Sir Fred Goodwin mangelte es nicht. Die Kinder nahm er deswegen schon aus der Schule. Nun entlud sich der Volkszorn an den Scheiben seines Autos und seiner Villa in der Oswald Street in Edinburgh. Der ehemalige Chef der Royal Bank of Scotland ist mit seiner Jahresrente von 760 000 Euro der wohl meistgehasste Pensionär im Königreich.

Die Attacke war nur der Auftakt. In der Londoner City gibt es noch viele Scheiben. „Die Revolution kommt“, warnte Professor Chris Knight, einer der Organisatoren der Proteste, die den G20-Gipfel nächste Woche begleiten. Der Anthropologe lehrt an der Uni East London und hat die verhassten Bankenhochhäuser in den Docklands stets vor Augen. In seinem Gärtchen in Südlondon stehen Plakate mit Aufschriften wie „Hängt die Banker, bis sie tot sind“.

In Edinburgh blieb der Schaden noch übersichtlich. Drei Scheiben im Erdgeschoss der Villa und die Heck- und Seitenscheibe des Mercedes 600, der in der Auffahrt geparkt war. „Vandalismus“, so die Polizei, die morgens um 4.30 Uhr gerufen wurde. Ob Sir Fred zu Hause war, wollte sie nicht sagen.

Gehasst wird Goodwin nicht nur, weil er die RBS in die de facto Pleite trieb, sondern auch, weil er sich nun weigert, die Pension zurückzuzahlen. Sogar Premier Gordon Brown hält das für „unakzeptabel“ und reicht Klage ein. John Kingman, verantwortlich für die Investitionen britischer Steuerzahler in die Banken, findet es „unerklärt und außergewöhnlich“, wie RBS-Chairman Sir Tom McKillop Bankchef Sir Fred morgens um 1.30 Uhr das Goldene Goodbye zuschob. Nur Stunden, bevor der Steuerzahler die Bank rettete.

Aber der Hass geht weit über diesen Edelpensionär hinaus. „Haus verloren? Job verloren? Rente verloren? Diese Party ist für Euch“. Die Einladung zu den Protesten gegen den Londoner G20 Gipfel und die Londoner City richtet sich an viele. „Stürmt die Bank“, heißt das Motto für die Großaktion „Financial Fools' Day“, die Knight und seine Mitstreiter am 1. April vor der Bank von England planen.

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