Bankenjäger
Eliot Spitzer – Der Krisengewinnler

Die Affäre mit einer als „Spitzer Girl“ bekanntgewordenen Prostituierten machte den Bankenjäger Eliot Spitzer berühmt. Doch auch wenn die die Affäre noch sehr präsent ist, zum Jahrestag des Lehman-Desasters ist der gefallene „Sheriff der Wall Street“ wieder gefragt.

NEW YORK. Er hat es tatsächlich geschafft. Die Besuche im Luxusbordell sind zwar noch nicht ganz vergessen, aber der tief gestürzte ehemalige Bankenjäger von New York, Eliot Spitzer, steht wieder als gefragter Experte im Rampenlicht. Denn sein „Exlusivinterview“ zum Jahrestag der Lehman–Krise im Fernsehsender CBS beschäftigt sich nur kurz mit der Läuterung des Ehebrüchigen.

Er betont, seine Frau und seine drei Töchter hätten ihm verziehen. Wie zum Beweis werden Bilder des Spitzer-Ehepaares in bemüht entspannten Posen beim Besuch des New Yorker Baseballteams Yankees eingeblendet. Dann schlüpft der 50-Jährige aus der eher hölzern gespielten Figur des reuigen Sünders zurück in seine Paraderolle. Er fordert nichts weniger als die Zerschlagung der Großbanken, die sich trotz Milliarden Rettungsgeldern aus dem Steuersäckel weigerten, ihre Pflicht gegenüber dem Staat zu erfüllen und dem Bürger Kredite zu gewähren. Die Moderatorin nickt, und der Fernsehzuschauer hat Spitzer spätestens jetzt als Autorität wieder akzeptiert. Nur 18 Monate nach dem Fall hat ein die Krise geschickt nutzendes Comeback aus dem Paria wieder einen gefragten Experten gemacht.

Rückblende: Bis März 2008 war Spitzer der Star der Verbraucherschützer und ein Stachel im Fleisch der Wall Street. Weltweit bekannt wurde der damalige Generalstaatsanwalt von New York, als er Analysten zu hohen millionenschweren Vergleichszahlungen zwang. Sie hatten Anlegern Internetaktien zum Kauf empfohlen und diese gleichzeitig in E-Mails als „Ramsch“ bezeichnet. Immer wieder lud er Banken aller Hierarchiestufen medienwirksam vor und schuf so die Basis für den erfolgreichen Wahlkampf um das Amt das Gouverneurs im Jahr 2006.

Der jähe Absturz folgte im Frühjahr 2008, als der Saubermann der prüden Nation in FBI-Ermittlungen gegen den Callgirl-Ring „Emporer's VIP Cub“ geriet und als deren „Kunde Nummer 9“ enttarnt wurde. Genüsslich breiteten New Yorker Medien jede Facette des Ehebruchs vor der Öffentlichkeit aus. Die betroffene Prostituierte „Kristen“ wurde ein Medienstar. Mit der Ehefrau Silda an seiner Seite trat Spitzer wenige Tage später – wie alle glaubten – ein letztes Mal vor die Kameras und gab sein Amt auf.

Doch seither arbeitet der Sohn des Immobilienmoguls Bernard Spitzer und promovierte Harvard-Jurist an seinem Comeback. Schon im Dezember 2008 begann er, regelmäßig in einem angesehenen Internet-Blog über die Finanzkrise zu schreiben. Es folgten erste Interviews zum Jahrestag seines Abgangs und vereinzelte Auftritte im öffentlichen Leben von New York.

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