Barclays
Roger Jenkins: Der umstrittene Steuerberater

Roger Jenkins zählt zu den Stars der Londoner City. Aber der Barclays-Banker hat viele Feinde. Derzeit muss sich sein Geldhaus gegen Vorwürfe wehren, es nutze exzessiv umstrittene Steuerschlupflöcher aus. Diese Anschuldigungen betreffen insbesondere Jenkins selbst - denn der smarte Kahlschädel entwickelt die Steuersparmodelle der Bank.

LONDON. Als ob Barclays-Boss John Varley nicht schon genug Ärger hätte. Jetzt muss er sich auch noch gegen Vorwürfe wehren, die Bank nutze exzessiv umstrittene Steuerschlupflöcher aus. Der Zeitung „The Guardian“ wurden Dokumente zugespielt, die beweisen sollen, dass Barclays mit Milliardentransfers über die USA, Luxemburg und die Cayman Inseln Steuern vermieden hat. Barclays erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen die Veröffentlichung, und Varley beteuert, dass die Bank nichts illegales getan hat.

Doch die Sache ist pikant. Denn hinter den Steuersparmodellen steckt einer der smartesten, aber auch einer der umstrittensten Mitarbeiter der britischen Großbank: Roger Jenkins, der Mann mit dem charakteristischen kahlen Schädel verdient seit Jahren so viel Geld wie kein anderer Barclays-Banker, allein 2006 soll er 40 Mio. Pfund kassiert haben.

Jenkins offizieller Titel lautet Head of Principal Investing and Private Equity. Doch tatsächlich hat er sich seinen Namen als ausgefuchster Fachmann für komplizierte Finanzierungen gemacht. Die City hat dem hageren Mann den wenig schmeichelhaften Spitznamen „Dodger“ verpasst, eine Anspielung auf den „Tax-Dodger“, den Steuerhinterzieher. Jenkins Team entwickelt für Barclays und die Kunden der Bank komplexe Finanzierungsstrukturen, die sicherstellen sollen, dass bei größeren Transaktionen möglichst wenig Geld an den Fiskus fließt. Für die britische Regierung ist das ein wenig peinlich, hat sie sich doch angesichts des anstehenden G20-Gipfels in London an die Spitze der Staaten gestellt, die auf Steuerehrlichkeit pochen und allen Steueroasen das Handwerk legen wollen.

Aber Jenkins sucht nicht nur nach Steuerschlupflöchern. Der Schotte, der für sein kleines Heimatland auch schon im 400-Meter-Lauf antrat, leitet das Investment-Banking der Briten im Nahen Osten und seit neuestem ist er auch für den Verkauf der Barclays-Tochter iShares verantwortlich, der führenden Plattform für börsengehandelte Fonds. Der Verkauf soll bis zu drei Mrd. Pfund einbringen, und könnte Barclays helfen, auch weiterhin ohne Kapitalhilfen des Staates auszukommen.

Jenkins ist aber nicht das einzige Familienmitglied, das sich um die Kapitalstärke von Barclays kümmert. Während der Mitfünfziger als öffentlichkeitsscheu gilt, kann man das von seiner Frau Dijana nicht unbedingt sagen. Jenkins Gemahlin zählt zu den festen Größen der Londoner Society. In der Finanzszene halten sich hartnäckig Gerüchte, dass es Dijana Jenkins war, die 2008 den Kontakt zur Herrscherfamilie von Katar hergestellt haben soll. Die Frau des Bankers soll eng mit der Gemahlin von Sheikh Hamad bin Jassim bin Jaber Al Thani befreundet sein, dem Chairman des staatlichen Investmentfonds von Katar. Am Ende übernahmen die Katarer gemeinsam mit der Königsfamilie von Abu Dhabi für etliche Milliarden 30 Prozent an Barclays. Für viele Altaktionäre war das allerdings ein rotes Tuch, wurde ihr Anteil dadurch doch schmerzhaft verwässert.

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