Bayerische Elite-Akademie
Großer Feldversuch

Die Bayerische Elite-Akademie versteht sich als Soft-Skill-Schmiede mit seltenem Ideal: Sie will Studenten zu tugendhaften Managern erziehen. Mit einer klassischen Drillanstalt für Überflieger hat die Schule nichts zu tun.

Treffen sich ein Maschinenbauer, ein Physiker und ein Betriebswirt. So könnte ein guter Witz beginnen. In der Bayerischen Elite-Akademie beginnt so die Projektarbeit. Treffen sich also ein Ingenieur, ein Naturwissenschaftler und ein Finanzexperte am Fuße der Alpen, um einen Businessplan aufzustellen für ein brandneues Produkt. Eine Weltinnovation. Die drei Denker, allesamt Studenten, wollen den Markt revolutionieren mit ihrer Idee. Jetzt aber reden sie seit Stunden aneinander vorbei. "Typisch BWLer", flucht der eine. "Typisch Physiker", kontert der andere. So hatten sie sich ihren großen Wurf nicht vorgestellt.

Wer an der Bayerischen Elite-Akademie studiert, landet häufig in solchen Grenzsituationen. Das ist gewollt. Zwei Jahre lang bekommen Studenten hier ein Elitetraining, das deutschlandweit seinesgleichen sucht. Die bayrische Bestenschule hat jedoch nichts mit einer klassischen Drillanstalt für Überflieger zu tun. Sie versteht sich als Soft-Skill-Schmiede. Anstatt die fachliche Exzellenz von Spitzenstudenten weiter zu forcieren, trainiert die Akademie das Sozialverhalten potenzieller Führungskräfte – ein Charakterbaustein, der vielen Hochbegabten fehlt.

Einst richtete sich die Stiftung, deren Grundkapital sich Ende der Neunzigerjahre aus Unternehmen wie Siemens oder BMW speiste, vornehmlich an alltagsfremde Techniker. Heute nimmt die Elite-Akademie bayrische Studenten aller Fachrichtungen auf. Die Latte liegt allerdings weiterhin hoch: Nur etwa 30 der besten zehn Prozent eines jeden Hochschuljahrgangs haben im 2 600 Euro teuren Förderprogramm eine Chance. Es sind die schillerndsten, die individuellsten, die führungsstärksten Köpfe des Landes. "Das sind lauter Klassensprechertypen", sagt der Akademische Leiter Dieter Frey, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Und dann erzählt er von Kant und Lessing, von Leuchttürmen und Vorbildern. Zu einer Verantwortungselite, nicht zu einer Statuselite will er die Studenten erziehen.

Im Idealfall agieren die Ausnahmetalente dann später als "ethische Führungspersönlichkeiten in macchiavellistischen Welten": Sie reißen mit ihren Ideen ganze Belegschaften mit, wagen Neues, gehen unternehmerisches Risiko ein, bleiben in ihren Entscheidungen menschlich und lassen sich obendrein von Mächtigen und Neidern, die ihnen begegnen werden, nicht vom rechten Pfad abbringen. "Diese Studenten werden später im Rampenlicht stehen", prophezeit Christine Hagen, Geschäftsführerin der Akademie. Zwei Jahre haben die Entscheider in spe Zeit, um sich ihre Rolle in Wirtschaft und Gesellschaft bewusst zu machen.

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