Beim Führen von Chinesen gilt: Konkrete Ziele vorgeben, stets nachhaken und sie nie vor anderen kritisieren
Ein Mund, aber zwei Ohren

Versuchen Sie ruhig, deutsch zu sein. Aber explodieren Sie nicht und hämmern Sie nicht mit der Faust auf dem Tisch rum.“ Diese Verhaltensregeln empfiehlt Jörg Wuttke seinen Landsleuten, die als Manager nach China kommen. Wuttke ist einer der dienstältesten deutschen Manager in Peking. Seit 16 Jahren arbeitet der agile BASF-Mann im Reich der Mitte. Er, der chinesisch spricht, hat im Umgang mit chinesischen Angestellten vor allem eins gelernt: „Man hat nur einen Mund, aber zwei Ohren.“

Gutes Zuhören ist bei Chinesen, die sich nicht gerne direkt ausdrücken, besonders wichtig. „Ich versuche zuzuhören, was meine Beschäftigten mir wirklich sagen wollen. Irgendwann rücken sie dann raus. Aber viele Deutsche erkennen dieses Phänomen viel zu spät.“

„Gut zuhören und keine Besserwisserei – sonst kommt man überhaupt nicht weiter“, mahnt auch Lee Wenpo, der in den 80er-Jahren das Geschäft von Volkswagen in China mit aufbaute und danach Swatch-Uhren vertrieb. „Wichtig ist, zunächst eine Vertrauensperson im neuen Betrieb zu finden, die alles für Dich machen kann.“ Zentraler Punkt beim Führen chinesischer Mitarbeiter ist das Vorgeben von Zielen. „Wenn man den Leuten eine bestimmte Aufgabe gibt, dann läuft es schlecht, dann denken sie nicht mit“, berichtet Lee. „Doch wenn man ein Ziel vorgibt, können Chinesen Tag und Nacht arbeiten und machen den Job gut.“ Wuttke bestätigt: „Chinesische Beschäftigte lieben Herausforderungen. Sie sind sehr gut im Dazulernen.“

Lee hält ständige Kontrolle für unabdingbar – „weil sich Chinesen sonst unbeobachtet fühlen“. Und wenn ein Job nicht zufriedenstellend gelöst wird, empfiehlt er: „Nie direkt und vor anderen kritisieren, dann verlieren sie das Gesicht.“ Sein Rezept: „Allein mit den Leuten im Zimmer sprechen, eine Tasse Tee hinstellen und ein ruhiges, aber klares Gespräch führen.“ Ähnlich sieht es Wuttke: „Ich versuche zu erklären, wie wir Deutschen ticken. Denn wenn Chinesen verstehen, woher Du kommst, bildet das Vertrauen.“

Große Unterschiede zwischen Deutschland und China sieht auch Guo Zhan-Geng, Präsident des bekannten Heizkörperherstellers Beijing Zehnder Radiators. „Die Leute in Deutschland arbeiten meist selbstständig. Hier muss man immer hinterher sein.“ Sein Aufwand für die Kommunikation sei in China wesentlich größer als in Deutschland, wo Guo studiert und gearbeitet hat. Er setzt auf die Doppelstrategie von „kontrollieren und belohnen“. Dabei fördern nicht nur Gehaltserhöhungen die Zufriedenheit, sondern auch Einladungen zu Reisen. Guo setzt Dienstreisen gezielt als Motivationsinstrument ein und lobt etwa Tickets für einen kurzen Flug mit der Ehefrau aus. Punkte sammelt besonders, wer private Probleme der Mitarbeiter würdigt. Wuttke besucht schon mal das kranke Kind im Hospital oder lässt der Frau Blumen schicken, wenn es große Probleme daheim gibt.

Und bestimmte chinesische Bräuche sind für ausländische Manager einfach ein Muss: Aufmerksamkeiten wie Kuchen zum Mondfest – und natürlich die kleinen roten Umschläge mit dem extra Monatsgehalt, „Hongbao“, zum Neujahrsfest.

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