Bernanke gilt als exzellenter Ökonom, dem jedoch die Erfahrung an der Wall Street fehlt
Auf den Magier folgt ein Theoretiker

Präsident George W. Bush hat sich für den besten Ökonomen und den wohl am schlechtesten gekleideten Kandidaten für das Amt als Präsidenten der US-Notenbank entschieden: Ben Bernanke.

NEW YORK. Als Ben Bernanke kürzlich zu einer Besprechung ins Weiße Haus gebeten wurde, fiel er dem Präsidenten durch seine brauen Socken auf, die so gar nicht zu seinem dunklen Anzug passten. Beim nächsten Treffen mit Bush trug nicht nur Bernanke braune Socken, sondern er hatte auch alle anderen Teilnehmer der Runde damit eingekleidet. Bush soll darüber herzhaft gelacht haben.

Die Anekdote zeigt zwei wichtige Seiten des neuen Chefs der Federal Reserve (Fed). Bernanke ist ein eigenständiger Kopf und zugleich überaus bescheiden in seinem Auftreten. Das wurde auch deutlich, als sich der 51-Jährige gestern bei Präsident Bush für die Nominierung bedankte. „Die Geldpolitik wird sich auch (nach Greenspan) weiterentwickeln“, sagte Bernanke. „Aber meine Priorität wird es sein, die Politik und Strategie der Greenspan-Jahre weiterzuführen.“ Vorsichtigen Wandel und Kontinuität kann die Welt also von dem neuen Chef der US-Notenbank erwarten.

Bernanke wurde 1953 in Augusta im US-Bundesstaat Georgia geboren. Nach seinem Studium in Harvard arbeitete er zunächst am berühmten Massachusetts Institute of Technology. Es folgte eine Professur in Stanford, ehe er schließlich 1985 an die Eliteuniversität Princeton kam. Dort machte er sich mit seinen geldtheoretischen Arbeiten weltweit einen Namen, so dass Bush ihn schließlich 2002 zum Fed-Gouverneur berief.

Der vollbärtige Bernanke schaffte es als einer der wenigen Mitglieder der Fed, sich unter Greenspan zu profilieren. Insbesondere seine Beiträge zur Deflationsbekämpfung und sein Plädoyer für ein Inflationsziel haben in der amerikanischen Geldpolitik neue Akzente gesetzt. Als in den USA im vergangenen Jahr die Furcht vor einem allgemeinen Preisniveauverfall um sich griff, sagte er, die Fed könne notfalls auch von einem Helikopter aus Dollar abwerfen, um eine Deflation zu verhindern.

Seite 1:

Auf den Magier folgt ein Theoretiker

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%