Bertelsmann
Albert Frère: Erst Baron in Brüssel, dann König von Paris

In seinem Heimatland vereinigt Albert Frère gleich drei Superlative auf sich: Er ist der reichste, der älteste aktive und zugleich der geheimnisvollste Geschäftsmann Belgiens. Dass Frère seinem Geschäftspartner Bertelsmann nun nach nur fünf Jahren Adieu sagt, passt perfekt in sein Geschäftskonzept.

DÜSSELDORF. Mit einem auf über zehn Milliarden Euro geschätzten Vermögen hat er es als einziger Bürger seines Landes in die Forbes-Liste der weltweit Wohlhabendsten geschafft. Mit seinen mittlerweile 80 Jahren denkt er offenkundig nicht daran, die Regentschaft über die Holding Groupe Bruxelles Lambert (GBL) an einen Jüngeren abzugeben.

Publicity meidet er sorgfältig, gesellschaftliche Auftritte interessieren ihn nicht, Auskünfte zu seinen geschäftlichen Aktivitäten erteilt er nur so weit nötig. Deshalb ist Albert Frère, Herrscher über eines der größten Finanzimperien Europas, ein Unbekannter geblieben.

Dabei bietet die Lebensgeschichte dieses Wallonen den Stoff, aus dem in Hollywood Träume gemacht werden. Der Handwerkersohn wächst nach dem frühen Tod des Vaters in einer Kleinstadt in ärmlichen Verhältnissen auf, bricht sein Studium ab, stellt aber als 25-Jähriger erstmals seine außergewöhnlichen geschäftlichen Talente unter Beweis: Nach Kriegsende zieht er einen lukrativen Stahlhandel auf und schafft so die Grundlage für seinen sagenhaften Aufstieg in die höchste Finanzelite.

Dass Frère seinem Geschäftspartner Bertelsmann nun nach nur fünf Jahren Adieu sagt, passt perfekt in sein Geschäftskonzept. Der Financier hat sein Vermögen vermehrt, indem er im Laufe der Jahrzehnte immer wieder Kasse machte: In den frühen Jahren verdiente er zum Beispiel an dem Verkauf der belgischen Ölfirma Petrofina, später fuhr er einen satten Gewinn ein, als er die Banque Bruxelles Lambert an die niederländische ING abgab.

An deutschen Unternehmen scheint Frère strategisch wenig interessiert zu sein. Abgesehen vom Einstieg bei Bertelsmann ist von größeren Aktivitäten hier zu Lande nichts bekannt geworden. Sein Hauptinteresse gilt Paris. Dort besitzt er seine wertvollsten Beteiligungen: an dem Versorgungsunternehmen Suez und an der Ölgesellschaft Total. Zuletzt stockte Frère zudem seinen Anteil am Kapital des französischen Baumaterialienherstellers Lafarge auf mehr als zehn Prozent auf.

Auch seine privaten Verbindungen unterhält Frère vor allem in der französischen Wirtschaftswelt: etwa mit Bernard Arnault, Chef des Luxuskonzerns LVMH oder mit dem ehemaligen Gründerchef des Versicherungskonzerns Axa, Claude Bébéar. Nach seiner Erhebung in den belgischen Adelsstand war in der französischen Presse über ihn zu lesen: „Er ist Baron in Brüssel, doch er träumt davon, König in Paris zu werden.“

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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