Bertelsmann-Vorstand Walgenbach wechselt zu BC Partners
Nur weg aus Gütersloh!

Einen neuen Konzernchef wollte sich Bertelsmann-Vorstand Ewald Walgenbach nicht mehr antun. Zum Jahresende verlässt der langjährige Chef der Buch- und Musikklubsparte Direct Group den Gütersloher Konzern und arbeitet künftig beim Finanzinvestor BC Partners.

MÜNCHEN. Der Abschied des 48-jährigen Rheinländers ist keine Überraschung: Er hatte den Machtkampf um die Nachfolge von Bertelsmann-Chef Gunter Thielen längst verloren. Hartmut Ostrowski, bisher Chef der Mediendienstleistungssparte Arvato, übernimmt ab 1. Januar die Kommandobrücke bei Europas größtem Medienkonzern.

Walgenbach, unter dem charismatischen Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff einst der zweite Mann in Gütersloh, hatte schon länger Abwanderungsgedanken. Nur mit Mühe lehnte er ein Angebot des Duisburger Handelskonzerns Haniel vor zwei Jahren ab. Im Gegensatz zu seinem Gegenspieler Ostrowski hatte Walgenbach nicht die Nähe zur Patriarchenfamilie Mohn. Walgenbach, der privat in Köln zu Hause ist, wurde in Gütersloh nie richtig heimisch. Der promovierte Genetiker, der einen lockeren und weltoffenen Umgang schätzt, hielt sich lieber in Berlin, New York, Paris oder London auf als in der ostwestfälischen Provinz.

Die Mohns können mit Walgenbach dennoch zufrieden sein. Der harte Sanierer machte aus dem Sorgenkind Direct Group wieder eine profitable Konzerntochter. Selbst der krisengeschüttelte deutsche Buchklub, die Keimzelle des Bertelsmann-Imperiums, schreibt nun wieder schwarze Zahlen. Das ist auch ein Verdienst von Fernando Carro. Walgenbach machte den leutseligen Spanier zum Chef der Buchklubs in Mittel- und Südeuropa.

Eigentlich sollte das Managementtalent Carro, der bei den Mohns in hohem Ansehen steht, Walgenbachs Nachfolger werden. Doch nun werde intern ein Umbau der Direct Group diskutiert, berichteten Insider gestern in Gütersloh. Ostrowski schweigt zu den Gerüchten und genießt stattdessen die Salzburger Festspiele.

Doch bereits nächste Woche trifft sich der Bertelsmann-Vorstand. Auf der Agenda steht auch die Zukunft der Direct Group mit Buch- und Musikklubs und verschiedenen Online-Töchtern. „Die Bereiche anders zu ordnen oder gar zu zerlegen – derzeit ist vieles denkbar“, heißt es in Unternehmenskreisen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%