Bestechlichkeitsprozess
Hauptzeuge belastet Ulrich Schumacher

Es sieht nicht gut aus für Ulrich Schumacher. Der Hauptzeuge im Bestechlichkeitsprozess gegen den früheren Infineon-Chef hat seine Vorwürfe bekräftigt. Es geht vor allem um die Frage, ob Schumacher Schmiergeld angenommen hat oder nicht.

HB MÜNCHEN. Der frühere Geschäftspartner Schumachers, Udo Schneider, sagte am Donnerstag vor dem Landgericht München, er habe dem Manager immer wieder vier- bis sechsstellige Geldbeträge für seine Motorsportleidenschaft zukommen lassen. Die Summen seien vor allem im Zusammenhang mit Autorennen geflossen, an denen Schumacher und auch dessen damaliger Vorstandskollege Andreas von Zitzewitz teilgenommen haben. Schumacher hat zum Prozessauftakt die Anklage, die ihm Bestechlichkeit, Untreue, versuchten Betrug und Steuerdelikte vorwirft, zurückgewiesen. Das Bargeld, ein Mal über 100 000 Dollar in einer Plastiktüte, habe vielmehr im Rahmen von privaten Autogeschäften den Besitzer gewechselt.

Der Belastungszeuge Schneider bekräftigte, Schumacher habe das Schmiergeld zwar nicht gefordert, aber doch genommen. „Er fand das gut, glaube ich“, sagte der damalige Werbevermittler. „Das war alles ganz locker damals.“ Er habe die Kosten für Schumachers und Zitzewitz' Autorennen in den Jahren um die Jahrtausendwende deshalb bezahlt, weil er sich Infineon als Kunde für seine Firma gewogen halten wollte. „Es ging für mich um Aufträge von Infineon.“ Schneider war 2006 wegen Bestechung von Infineon-Managern zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Zitzewitz hatte die Annahme der Bestechungsgelder eingeräumt und war mit einer Bewährungs- und Geldstrafe davongekommen.

„Ich habe alles für Herrn Dr. Schumacher gemacht“, sagte Schneider. Als die Finanzierung der Motorsportspektakel ruchbar wurde, habe er sich auch mit einer Falschaussage an dessen Seite gestellt. „Ich habe mich komplett instrumentalisieren lassen von Herrn Schumacher.“ Der Manager habe ihn später allerdings fallengelassen und finanziell zunehmend unter Druck gesetzt, als Schneider bereits in Untersuchungshaft saß.

Schneider räumte ein, sich 2007 mit Infineon darauf geeinigt zu haben, dass der Konzern auf Geldforderungen gegen ihn verzichte, wenn er zur weiteren Aufklärung der Vorgänge rund um die Autorennen der früheren Manager beitrage. Schneider beteuerte, er sage vor Gericht als Zeuge die Wahrheit, vor allem weil er nach wie vor auf Bewährung auf freiem Fuß sei. „Ich gehe keinen Tag mehr ins Gefängnis.“

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