Betreuungsplätze als Geschäftsidee
Kein kinderleichter Markt

Die Betreuung der Kinder von berufstätigen Eltern ist in öffentlichen Tagesstätten oftmals nicht lang genug gewährleistet. Wer seine Nachkommen bis zum eigenen Feierabend gut aufgehoben wissen will, der setzt auf private Anbieter. Und genau dort liegt eine Chance für Gründer und Unternehmer.

DÜSSELDORF. Berufstätige Mütter und Väter kennen den Stress: Die städtische Kindertagesstätte schließt um 16.30 Uhr, also schnell raus aus dem Büro und die Kinder abholen. Anders in der "Kindervilla" in Dresden: Die hat rund um die Uhr geöffnet, will den Eltern auch sonst möglichst viel Flexibilität bieten und wirbt mit spezieller sprachlicher und künstlerischer Erziehung. Zwei Einrichtungen der "Kindervilla" gibt es in Dresden bereits. Doch die Idee soll zu einer bundesweiten Marke werden: Per Franchise soll in den nächsten Jahren in allen Landeshauptstädten eine "Kindervilla" eröffnet werden.

So sehen es die Pläne der Kindervilla Franchise GmbH vor. Es ist einer der wenigen Anbieter, die Kinderbetreuung als Markt verstehen und den Mangel an Plätzen unternehmerisch angehen. Denn der Bedarf an Kinderbetreuung ist groß: Lange Wartelisten und viel zu wenig Plätze kennzeichnen die Lage bei den Einrichtungen von Städten und Elterninitiativen.

Eine Chance also für Gründer und junge Unternehmen? "Der Bedarf wird durch die weiterhin zunehmende Erwerbstätigkeit der Mütter steigen", sagt Katharina Spieß, Familien- und Bildungsökonomin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. "Auch für Unternehmensgründungen bieten sich Chancen."

Doch es ist ein schwieriger Markt für private Anbieter. Oliver Strube, Geschäftsführer des auf Kinderbetreuung spezialisierten Beratungsunternehmens Impuls, warnt vor zu viel Euphorie: Hohe Investitionen, undurchsichtige rechtliche Regelungen und der schwierige Aufbau von Reputation machten es Gründern nicht leicht. Eine einheitliche Qualitätskontrolle gibt es bisher auch nicht, die bürokratischen Hürden sind teilweise hoch (siehe "Private Betreuung"). "Die gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen sich ändern", fordert daher Raymond Wagner, Geschäftsführer des privaten Kindergartens Villa Ritz in Potsdam.

Um auf dem Markt für Kinderbetreuung überhaupt bestehen zu können, gehen private Anbieter in Nischen, erläutert Strube. Grund sind allein schon die Kosten: Ohne staatliche Förderung kann ein Vollzeit-Betreuungsplatz 1 000 Euro oder mehr kosten. "Es gibt nur wenige Eltern, die dies bezahlen können", sagt der Experte. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass allein dies schon abschreckt. "Einige Gründer, die sich bei uns über den Aufbau einer Einrichtung informieren, überdenken ihr Konzept anschließend noch einmal", sagt Strube.

"Um sich auf dem bestehenden Markt zu positionieren, müssen die Einrichtungen etwas Besonderes bieten", sagt Dieter Dohmen, Direktor des Berliner Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie. Bei den Öffnungszeiten etwa herrscht deutlicher Bedarf. Einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags zufolge haben zwar 70 Prozent der Kindertagesstätten vor 7.30 Uhr geöffnet, aber nur fünf Prozent nach 18 Uhr - für viele Eltern ist das zu früh.

Seite 1:

Kein kinderleichter Markt

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%