Beweislage gegen Lay ist dünn
Präsidentenfreund in Handschellen

Der Prozess gegen den Ex-Chef des US-Pleitekonzerns Enron beginnt. Kenneth Lay beteuert seine Unschuld.

NEW YORK. Am Donnerstagmorgen um 6.15 Uhr erreichte Kenneth Lays eindrucksvolle Karriere ihren vorläufigen Tiefpunkt. Der Ex-Chef des US-Skandalkonzerns Enron und Freund der Präsidentenfamilie Bush stellte sich in Houston der Bundespolizei FBI. Wenig später führte eine Polizistin den 62-Jährigen, der seinen väterlich-freundlichen Gesichtsausdruck nicht verloren hat, in Handschellen ab.

Am Mittwochabend erhob ein Geschworenengericht in Houston/ US-Bundesstaat Texas Anklage gegen Lay. Die am Donnerstag veröffentlichte Anklageschrift wirft Lay die Beteiligung an einem umfangreichen Betrug vor, mit dem Enron seine Lage gegenüber Öffentlichkeit, Anlegern und Behörden vertuscht habe. Bereits gestern begann die erste Anhörung vor der zuständigen Richterin Mary Milloy. Gleichzeitig erhob die US-Finanzaufsicht SEC zivilrechtliche Vorwürfe wegen Anlagebetrugs und Insiderhandels.

Falls Lay verurteilt wird, drohen ihm viele Jahre Gefängnis und millionenschwere Strafzahlungen. Damit haben die Ermittlungen der Sondereinheit des US-Justizministeriums endlich die Spitze des früheren Enron-Managements erreicht – mehr als zweieinhalb Jahre nach dem Zusammenbruch des Energiehändlers.

Tausende Mitarbeiter und Anleger verloren ihre Existenz, als Enron sich im Dezember 2001 für zahlungsunfähig erklärte. Jahrelang hatte das Unternehmen seine Überschuldung vertuscht und Erträge künstlich aufgepumpt. Über komplexe Transaktionen mit Töchtern und verbundenen Drittfirmen manipulierte Enron seine Bilanz. Nichtsdestotrotz zeichnete Lay bis kurz vor der Pleite ein positives Bild von Enron.

Enrons Pleite löste das drakonische Sarbanes-Oxley-Gesetz aus, das mit harten Strafen für US-Firmenmanager künftige Skandale verhindern soll. Der Bilanzbetrug trieb auch Enrons Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen in den Ruin, einst eine der vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt. Banken wie Citigroup, Deutsche Bank, JP Morgan Chase und die Credit-Suisse-Tochter Credit Suisse First Boston kämpfen mit millionenschweren Klagen, weil sie Enron angeblich beim Bilanzbetrug halfen.

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