Bill Lockyer
Kreuzritter des Rechts

Kaliforniens oberster Jurist Bill Lockyer sammelt Prozesse gegen Manager wie andere Jagdtrophäen. Seine Beute sind mit Vorliebe Großkonzerne, darunter auch deutsche. Selbst mit der Bush-Regierung hat er sich schon angelegt.

ATLANTA. Journalisten haben es leicht, über Bill Lockyer zu schreiben. Weil es so plakativ sein kann. Kreuzritter nennen ihn manche. Einen Kreuzritter, der den Krawall liebt. Und immer kämpft er. Für die Bürger in Kalifornien und in ganz Amerika, zum Beispiel. Lockyer kämpft für die Gerechtigkeit und gegen die Korruption des „Big Business“, und er legt Wert darauf, dass sich die Kunde von seinen Kriegen im Land verbreitet. Er legte sich bereits mit Öl- und Gasunternehmen an, kämpfte gegen Pharmakonzerne, stritt mit der Automobilindustrie und US-Präsident George W. Bush. Zuletzt nahm er sich den Computerriesen Hewlett-Packard (HP) vor.

William Westwood Lockyer ist eine schillernde Figur: Er ist Generalstaatsanwalt im US-Bundesstaat Kalifornien, Mitglied der Demokraten – er will mehr. Im November wurde Lockyer zum künftigen Finanzminister Kaliforniens gewählt. Wer Lockyer kennt, den wunderte nicht, als dieser vor kurzem eine strafrechtliche Klage gegen zwei HP-Spitzenmanager, die zurückgetretene Verwaltungsratschefin Patricia Dunn und den für Ethikfragen zuständigen Direktor Kevin Hunsaker, sowie gegen drei private Ermittler einleitete. Ihnen wird betrügerisches Abhören von Telefonaten, Missbrauch von Computerdaten, Identitätsdiebstahl und Verschwörung vorgeworfen. Den Angeklagten drohen bis zu zwölf Jahre Haft und Geldstrafen in Höhe von 65 000 Dollar.

Allein, die große Herausforderung für Lockyer ist nun, zu beweisen, dass Dunn und Hunsacker wissentlich illegale Aktionen gedeckt haben. Rechtsexperten sind der Auffassung, dass er sich mit diesem Fall überhoben habe. Zwar sei er erfolgreich gegen große Unternehmen vorgegangen, habe für Umwelt und Verbraucherschutz gestritten, doch „das Büro des Generalstaatsanwalts klagt selten gegen einzelne Personen“, betont Robert Weisberg, Professor an der Stanford Law School: „Dieser Prozess wird auf der Straße des Strafrechts geführt. Aber dort liegen nicht die Stärken des Generalstaatsanwalts.“

Die liegen bei der Verfolgung dessen, was in Amerika „white collar crime“ heißt – Kriminalität mit weißem Kragen. Und da ist der 65-jährige Lockyer berüchtigt wie geachtet. Die Liste von Fällen, derer er sich in 25 Jahren im Staatsdienst annahm, ist lang und spektakulär.

So weitete er 1999 gegen heftige Widerstände in der eigenen Behörde den Einsatz von DNA-Technologie bei der Verbrecherjagd aus. Heute hat die Staatsantwaltschaft Kaliforniens die größte DNA-Datenbank der USA.

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