Blogging
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Dass Weblogs immer populärer werden, hat die Marketingspezialisten von Unternehmen auf den Plan gerufen: Sie schicken ihre Leute als Unternehmensbotschafter in Weblogs. Eine US-Agentur bezahlt Blogger sogar für Schleichwerbung.

DÜSSELDORF. IBM ermuntert seine Leute, Weblogs anzulegen und darin immer wieder zu schreiben: Damit sich die Experten auch direkt mit Kunden oder Experten anderer Firmen austauschen. Die erhoffte Folge: Die Glaubwürdigkeit von IBM wird erhöht, alles duzt sich, alles ist sehr persönlich. Und: „Wir haben damit ein riesiges Team von Beobachtern der Blogging-Szene geschaffen. So bin ich ständig auf dem Laufenden, was da draußen über uns geschrieben wird“, erzählt Christopher Barger, der bei IBM der Blog-Verantwortliche weltweit ist.

Aber es geht nicht nur ums Beobachten der Szene: Wer selber einen spannenden Blog betreibt, bekommt interessante Kommentare von anderen Bloggern, schließlich zeichnet sich die Szene durch ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis aus und gilt schon deshalb als einflussreich. Christopher Barger begreift die Amateurautoren als eine sehr spezielle Art von Elite: „Häufig handelt es sich dabei einfach um Menschen, die sich leidenschaftlich mit einem Thema beschäftigen – und schon deshalb sehr authentisch sind. Dadurch begeistern sie wiederum andere, das ist es, was Blogger einflussreich macht.“

Einerseits. Doch die Speerspitze kann sich auch ruck, zuck gegen die Unternehmen richten. Wal-Mart-Gegner etwa verbreiteten tausendfach den Vorwurf, die Supermarktkette bezahle zu wenig für die Krankenversicherung ihrer Mitarbeiter. Die Kritik an Wal-Marts rüder Personalpolitik ist zwar nicht neu, doch mit der wachsenden Beliebtheit von Blogs bekommen solche Angriffe auf Unternehmen eine ganz andere Qualität. Denn kein Medium ist schneller, keines unkontrollierbarer. Ein Blog ist ein chronologisch geführtes Online-Tagebuch, das jeder eröffnen und fast umsonst online stellen kann. Geschätzte 250  000 gibt es davon in Deutschland, 31 Millionen weltweit. Und jeden Tag kommen 75  000 hinzu. Furcht einflößend werden diese Zahlen durch das Verlinken: Stars der Szene sind jene Tagebücher, auf die möglichst viele andere verweisen. Das bedeutet: Veröffentlicht ein viel gelesener Autor einen Text in seinem Webtagebuch, gelangt dieser in Sekundenschnelle auch auf Tausende anderer Seiten.

Also konterte Wal-Mart mit derselben Waffe: Die Supermarktkette fütterte einige bekannte Blogger mit – vermeintlich oder tatsächlich – exklusiven – in jedem Fall aber Wal-Mart-freundlichen – Informationen, die sich prompt ebenso virenartig verbreiteten wie zuvor die Vorwürfe. Dass Wal Mart selbst die Quelle der positiven Geschichten war, blieb den meisten Lesern verborgen. Einige der gefütterten Blogger fühlten sich irgendwann doch ausgenutzt, die Geschichte kam heraus und landete schließlich in der „New York Times“.

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