Bonitätsbewertung
Gutes Management – gutes Rating

Der direkte Zusammenhang zwischen der Qualität des „Human Capital“ eines Unternehmens und dessen langfristigem wirtschaftlichem Erfolg wird heute kaum mehr in Zweifel gezogen. Hingegegen wird der Einfluss der Qualität der Unternehmensführung bei der Bonitätsbewertung oftmals verkannt. Dabei spielt gerade diese eine zentrale Rolle.

FRANKFURT. Hingegen wird der Einfluss der Managementqualität auf das Kapitalmarktrating und damit indirekt auf die Refinanzierungskosten des Unternehmens am (Fremd-)Kapitalmarkt oftmals verkannt. Neben harten quantitativen Ratingfaktoren beziehen alle drei global tätigen Ratingagenturen weiche qualitative Ratingfaktoren – teilweise mit über 50-prozentiger Gewichtung – in die Ratinganalyse ein. Der wichtigste weiche Ratingfaktor ist dabei neben der Unternehmensstrategie insbesondere die Managementqualität.

Heute führt beim Kapitalmarktgang eines Unternehmens kein Weg mehr am Rating vorbei. Dies belegen die rund 90- bis 95-prozentigen Marktanteile der großen Ratingagenturen auf dem Eurokapitalmarkt. Ebenso empirisch nachgewiesen ist die Auswirkung des Ratings auf die Refinanzierungskosten eines Unternehmens am Kapitalmarkt. Ratingherabstufungen schlagen sich beispielsweise bei großen Kapitalmarktemittenten oft als Verteuerung der Refinanzierungskosten im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich nieder. Nicht nur für Unternehmen, die sich dem Rating erstmalig unterziehen, sondern auch für diejenigen, die im Rahmen des jährlichen Aktualisierungsgesprächs zum wiederholten Mal mit der Ratingagentur zusammentreffen, spielt die Managementqualität als integraler Bestandteil der Außendarstellung des Unternehmens – oftmals unbewusst – eine ganz erhebliche Rolle. Auf Grund der Kommunikationspolitik und geschäftsethischer Grundsätze der Ratingagenturen sucht man zwar vergebens nach Pressemitteilungen der Ratingagenturen, in denen es heißt: „Das Unternehmen xyz wurde wegen seiner niedrigen Managementqualität um zwei Ratingstufen herabgestuft.“ Dies bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass die Managementqualität kein ratingbeeinflussender Faktor ist. Ganz im Gegenteil kann mangelnde Managementqualität erhebliche Auswirkungen auf das Rating haben.

Im Rahmen der erstmaligen Ratingerteilung präsentiert das Management in einem eintägigen Ratinghauptgespräch das Unternehmen in sehr komprimierter Form und hinterlässt damit bei der Ratingagentur die erste „Visitenkarte“ der Managementqualität. In den jährlich stattfindenden Aktualisierungsgesprächen vertieft die Ratingagentur neben der Analyse der harten quantitativen Faktoren auch die eigene Meinung über den weichen Ratingfaktor Managementqualität. Dabei wird in der Regel kein systematisches Management-Audit mit Hilfe von Interviews oder psychometrischen Tests durchgeführt. Vielmehr versucht die Agentur, sich punktuell ein Bild über Fachkenntnis, Managementstil, Vertrauenswürdigkeit, Verlässlichkeit, Planungsgenauigkeit und Risikofreudigkeit des Managements zu machen und dieses mit dem Wettbewerb zu vergleichen. Darüber hinaus sind seit den großen Wirtschaftsskandalen in den USA zunehmend Fragen der Corporate Governance für die Agenturen von zentralem Interesse. Einige der Agenturen haben aus diesem Grund spezielle Corporate-Governance-Teams aufgebaut.

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