BP-Konzern vor dem Wandel
Kampf um Brownes Nachfolge hat begonnen

Bis Dezember 2008 vergehen noch volle zwei Jahre, doch der Kampf um die Nachfolge Lord Brownes an der Spitze von BP hat begonnen. Eine selbstkritische Rede des Explorationschefs Tony Hayward auf einer internen Versammlung in Houston sorgt nun in London für Aufregung.

LONDON. Was wollte Tony Hayward mit seinen jüngsten Äußerungen erreichen? Wollte er mit seiner Kritik an den Folgen des Kostendrückens und der autoritären Führung den Übervater treffen? BP-Sprecher bemühen sich, die Wogen zu glätten und den Eindruck zu erwecken, es handele sich um eine Fehlinterpretation. Hayward selber sah sich zu einem Leserbrief an die „Financial Times“ veranlasst, die aus der Rede zitierte. Darin bittet er, die Fähigkeit zur Selbstkritik nicht gegen ihn auszulegen.

Ob Hayward kühl kalkulierte oder unbedacht formulierte: Die Aufregung zeigt, dass BP ein einschneidender Wandel bevorsteht. Die Ära des präsidial regierenden Lords geht zu Ende. Das ist klar, seit er im Sommer nach Dissonanzen mit Chairman Peter Sutherland seinen Abschied Ende 2008 ankündigte. Noch klarer ist es, seit eine Skandalserie in den USA das Image des Konzerns als umweltbewusster und politisch verantwortlicher Ölmulti beschädigte.

Der Nachfolger wird kaum die Macht haben, Brownes zentralistischen Führungsstil fortzusetzen. Und er wird sich die Strahlkraft erarbeiten müssen, um wie Brown den Konzern nach außen zu verkörpern. Beobachter erwarten, dass ein interner Kandidat – ein solcher soll es sein – 2007 zum Chief Operating Officer, also zum Kronprinzen, ernannt wird.

Der jugendlich wirkende Hayward gilt vielen als Favorit. Als Chef der Explorationssparte bekleidet er ein Amt, dessen Inhaber sich in Ölkonzernen traditionell für höhere Aufgaben warm laufen. Doch als dieser trägt er auch die Verantwortung für die Pipeline-Lecks im Ölfeld Prudhoe Bay in Alaska.

Auch sein vielleicht stärkster Konkurrent, der kühle und nüchterne Raffinerie- und Marketingchef John Manzoni, ist vorbelastet. Unter seiner Aufsicht ereignete sich in Texas City ein Raffinerieunglück mit 15 Todesopfern, das offenbar nur wegen schwerer Verfehlungen in den Sicherheitsstandards möglich war.

Eher als Außenseiter gilt Iain Conn, dem unter anderem das europäische Geschäft untersteht. Er ist allerdings auch der oberste Sicherheitsbeauftragte des Konzerns. Völlig unbelastet ist hingegen Robert Dudley, der als Vorstandschef des russischen Energie-Joint Ventures TNK-BP bei einer schwierigen Aufgabe Geschick bewiesen hat. Manche trauen ihm zu, als Überraschungskandidat das Feld von hinten aufzurollen.

Finanzchef Byron Grote ist mit seiner Pilzkopffrisur eine vertraute Erscheinung auf dem Podium neben Lord Browne: Die anderen Vorstände müssen bei Pressekonferenzen darauf warten, dass sie aus der ersten Reihe vom Chef nach oben gerufen werden. Doch Grote ist schon 58 und wird Browne wohl in wenigen Jahren in den Ruhestand folgen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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