Britische Studie
Working mums – no thanks!

In Großbritannien erregt derzeit eine Studie Aufsehen: Der Bericht „Fairness und Freiheit“ sieht Mütter mit Kindern unter elf Jahren als die „am meisten diskriminierte Gruppe der Gesellschaft“. Und eine Besserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil.

LONDON. Drei Jahre musste British-Airways-Pilotin Jessica Starmer kämpfen. Mehrfach musste die 28-jährige Mutter vor Gericht ziehen, bis sie ihr monatliches Flugdeputat von 75 auf 50 Prozent reduzieren durfte. „Ich hoffe, mein Fall führt zu einer neuen Einstellung. Auch Mütter sind engagierte und loyale Angestellte – das belegen genügend Untersuchungen“, kommentierte die Mutter der dreijährigen Elizabeth nach dem Gerichtstermin.

Von den 3 100 Piloten von British Airways sind nur 171 Frauen. Aber auch in weniger von Männern dominierten Berufen ist der Anteil von Frauen in hohen Positionen nicht viel größer. In britischen Vorstandsetagen wird es schätzungsweise 60 Jahre dauern, bis Frauen mit Männern gleichziehen. Und im Parlament 200 Jahre.

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Aufsehen erregte jetzt eine Studie der Kommission für Gleichheit und Menschenrechte (CEHR), die von Premier Tony Blair vor über zwei Jahren bestellt worden war. Der Bericht sieht Mütter mit Kindern unter elf Jahren als die „am meisten diskriminierte Gruppe der Gesellschaft“. Bei diesen Frauen sei es zu 48 Prozent weniger wahrscheinlich, dass sie einen Job haben, als bei einem Mann. Dieses Handicap ist damit größer als bei ethnischen Minderheiten oder Behinderten. Dabei ist die Frauenerwerbsquote in Großbritannien mit 65,8 Prozent deutlich höher als im EU-Schnitt von 56,3 Prozent. Trotzdem sind britische Mütter besonders stark von den finanziellen, psychologischen und sozialen Vorteilen der Arbeit ausgeschlossen. Die Kosten des brachliegenden Potenzials beziffert die Kommission mit jährlich 28 Milliarden Pfund.

Warum sind britische Mütter im Berufsleben gemiedene Außenseiter? „Unsere Arbeitswelt passt nicht mehr in die Welt, in der wir leben“, zu diesem Schluss kommt ein anderer Bericht der Gleichbehandlungskommission (EOC). Trotz akuten Mangels an Facharbeitern und Akademikern arbeiten 6,5 Millionen Menschen in Großbritannien unterhalb ihres Ausbildungsniveaus und mit schlechterer Bezahlung – überwiegend betroffen sind „working mums“ in Teilzeitjobs. Dort betragen die Lohneinbußen im Vergleich zu vollbeschäftigten Männern im Schnitt satte 42 Prozent.

Eine Besserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Der Anteil der Akademikerinnen, die sich im Viertel der am schlechtesten bezahlten Jobs verdingen müssen, hat sich zwischen 1995 und 2005 von fünf auf 13 Prozent fast verdreifacht. Dagegen ist die Akademikerinnenquote im obersten Gehaltsviertel zurückgegangen.

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