BT-Chairman Christopher Bland
Gourmet und Strippenzieher

Ein Top-Manager mit Schürze am Herd? Für viele ist das ein komisches Bild. Nicht für Sir Christopher Bland, einen der mächtigsten Strippenzieher in der britischen Firmenwelt. Vor einigen Jahren hat der 65-jährige Chairman des Telekomkonzerns BT Group sogar an einem Kochkurs teilgenommen. „Zwölf Wochen lang“, sagt Bland lachend.

HB LONDON. Und es klingt auch ein bisschen stolz. Denn immer dienstagabends tauchte der Top-Manager in die kulinarische Welt ab. Dabei war Bland damals Chairman des Senders BBC, hatte also einen politisch viel sensibleren Posten im Land inne als heute. Doch wenn es um Beef Wellington oder eine feine Crème Brulee aus Passionsfrüchten geht, dann ist Bland eben nicht mehr zu sprechen.

Der Aufsichtsjob bei BT, dem verbliebenen Rumpfkonzern von British Telecom, ist aber ebenfalls ganz nach seinem Geschmack. Zumindest hat er seinen Vertrag gerade bis zum Jahr 2007 verlängert – also bis zum 69. Lebensjahr. Mit einem Monatsgehalt von umgerechnet rund 60 000 Euro lässt es sich als „Halbtagskraft“ schon recht gut leben. Denn bei dem Telefonkonzern ist Bland nur noch drei Tage in der Woche als Chairman tätig.

Mehr Zeit kann er gut brauchen. Schließlich ist der Mann, der mit seinem knuffigen Gesichtsausdruck immer etwas an den englischen Wein-Papst Hugh Johnson erinnert, nicht nur Kunstsammler (bevorzugt des britischen Bildhauers Eric Gill) und bekennender Gourmet. Er hat noch eine Leidenschaft: Sein Weingut in Frankreich. Es produziert rund 1500 Liter im Jahr vom Blandschen Tropfen. Zur Lese im Herbst gebe es viel zu tun, sagt der Weinbauer.

Keine leichte Aufgabe übernommen

Auch bei der BT-Gruppe ist er stark gefordert. Denn als er vor zwei Jahren bei dem alten Staatskonzern anfing, übernahm er keine leichte Aufgabe. Der Telekomriese stand mit einer Schuldenlast von 30 Milliarden £ (43 Milliarden Euro) quasi vor der Pleite, hatte sich in seiner weltweiten Expansion verzettelt und im Heimatmarkt ein schlechtes Image.

Bland, bis dahin ohne Erfahrung in der Branche, wurde zudem nicht als beste Wahl angesehen. Als sein Wechsel zu BT bekannt wurde, brach der Aktienkurs des Unternehmens kräftig ein. Dann schmiss er auch noch den in der Londoner City beliebten BT-Boss Peter Bonfield raus und holte den unbekannten Niederländer Ben Verwaayen als Chef. Ein Schock für viele Analysten.

Doch längst wird Bland als gute Wahl gesehen. Der Ire wurde sogar zum Chairman des Jahres gekürt. „Er hat die großen Entscheidungen gefällt und die richtigen Dinge getan“, hieß es zur Begründung.

Bland hat bei der BT Group kräftig aufgeräumt. Er hat die Mobilfunksparte des Konzerns als MM02 an die Börse gebracht, Auslandsbeteiligungen und Immobilien verscherbelt, zudem reichlich Personal abgebaut.

Der Mann, der mit dem väterlichen Blick und seinem humorvollen Auftreten so gemütlich scheint, sei alles andere als ein „Weichei“, sagen Kollegen voller Achtung. Bland gilt eher als harter Hund in der Branche. Bei der BBC waren sogar einige ganz froh, als er ging. Auch dort hatte er sich als Chairman stark in das Tagesgeschäft eingemischt.

Für Olympia-Medaille reichte es nicht

Schon früh hat der Sohn eines irischen Ölhändlers das Kämpfen und Taktieren gelernt – während seiner Internatszeit. Und der geschickte Umgang mit dem Florett brachte ihm sogar etwas Ruhm: Als Student trat er 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom für Irland an – für eine Medaille reichte es aber nicht.

Auch im Berufsleben musste er durchaus Niederlagen hinnehmen. Wenn er am Ende nicht immer der Sieger war, gehörte er doch meistens zu den Gewinnern. Seinen größten Fehler nennt er heute, dass er Mitte der neunziger Jahre als Chef des Londoner Senders LWT nicht die Übernahme durch den Medienkonzern Granada verhindern konnte. Aber der Verkauf wider Willen machte ihn reich: Bland blieben Aktien im Wert von 20 Millionen Euro.

Bereits zuvor hatte er den richtigen Riecher bewiesen. Nach dem Studium liebäugelte er zwar kurz mit einer politischen Karriere bei den Konservativen, doch am Ende siegte die Neigung zum Dealmaker. So steckte er Anfang der achtziger Jahre seine Ersparnisse von 20 000 £ in eine marode Druckerei. Mit der Sanierung verdiente er seine erste Million und schaffte den Einstieg in die Medienwelt. Der Posten des BT-Chairman „ist der letzte Job in meiner Karriere“, sagt Bland.

Schwacher Aktienkurs wurmt Bland

Der Job mache ihm Spaß. Nur der schwache Aktienkurs wurme ihn. Doch mit dem Jahresgehalt von 500 000 £ (rund 720 000 Euro) lässt sich auch der Buchverlust verschmerzen, den ihn der Wechsel gekostet hat. Rund 2,3 Millionen £ hat er in BT-Aktien investiert – da lag der Kurs bei 416 Pence. Heute ist das Papier nicht mal mehr die Hälfte wert.

Er bereue den Kauf nicht, sagt Bland und lehnt sich lachend in seinem Ohrensessel zurück. Das Möbelstück verleiht seinem Büro gegenüber der St.-Pauls-Kathedrale eher ein Wohnzimmer-Flair. „Ich glaube, es war nur nicht gerade der perfekte Moment zu kaufen“, sagt er dann mit feiner Selbstironie.

Timing ist eben alles – wie beim Kochen. Und diese Leidenschaft ist für Bland längst mehr als ein Hobby, auch hier hat er investiert. Etwa in www.foodndrink.co.uk, eine Webseite, die seinem Bruder Godfrey gehört und die nicht nur Rezepte und Gourmet-Tempel empfiehlt, sondern Michelin-Sterne-Menüs fertig vorbereitet und zum Kochen liefert. Ein guter Kunde: Sir Christopher.

Und zur Kochschule muss sich Bland auch nicht mehr anmelden. Der BT-Strippenzieher regiert inzwischen als Chairman von Leith's School of Food and Wine in London – und besitzt 70 Prozent des Ausbildungsinstituts für Top-Köche.

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