Business-Wissen
Die Ära der Personaler

Der sich immer weiter abzeichnende Mangel an Talenten bringt die Personalabteilungen in den Konzernen ganz schön ins Schwitzen. Er beschert der Personalarbeit aber auch eine strategische Schlüsselrolle, prophezeit eine weltweite Zukunftsstudie.

Was tun, wenn qualifizierte Mitarbeiter rar werden? Diese Frage bereitet Managern weltweit das größte Kopfzerbrechen, wenn sie an die Personalarbeit der Zukunft denken. Den Ausweg sehen sie zuvorderst darin, die begehrten Talente künftig verstärkt global anzuwerben. 4 700 Manager in 83 Ländern bewerteten internationales Rekrutierung als wichtigste von 194 Aufgaben der Personalarbeit der Jahre 2010 bis 2015. Ergänzt wurde die repräsentative Zukunftsstudie der Boston Consulting Group (BCG) und der World Federation of Personnel Management Associations von 220 Tiefeninterviews.

„Unternehmen, die Personalarbeit und Talentmanagement nur halbherzig betreiben, riskieren im schlimmsten Fall sogar ihre Existenz“, warnt Studienautor Rainer Strack, Senior Partner von BCG. „Denn der Zugang zu qualifizierten Mitarbeitern entwickelt sich zum wesentlichen Faktor im Wettbewerb selbst in kapitalintensiven Industrien.“ Dieser Trend macht natürlich auch vor den deutschen Personalabteilungen und Mitarbeitern nicht halt. „Macht ein deutsches Unternehmen 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland, sollten künftig auch ebenso viele der Topmanager von dort stammen“, sagt Berater Strack.

Das weltweite Ringen um Talente ist auch ein Grund, warum Unternehmen viel mehr auf Ausgewogenheit zwischen Arbeit und Privatleben achten müssen. Auf der Agenda der Dringlichkeit landete die Work-Life-Balance weltweit überraschend weit vorn. „Es wächst eine andere Generation heran, die nach sinn- und anspruchsvollen Aufgaben sucht und mit ihrer Arbeit auch ein bisschen die Welt verbessern will“, erklärt Michael Leicht, Mitautor der Studie.

Wie ernst Firmen es mit sozialem Engagement nehmen (Stichwort: Corporate Social Responsibility), wird somit immer entscheidender für die Wahl des Arbeitgebers. Unternehmen müssen Talente – zu denen künftig bereits Facharbeiter zählen werden – so einiges bieten und ihnen etwa Karrierepfade maßschneidern. Zugleich übernehmen Firmen künftig eine Bildungsfunktion – auch für Ältere über 50. Lebenslanges Lernen wird gerade in alternden Gesellschaften virulent, belegt die Studie.

In einem sind sich Manager weltweit einig: Personalarbeit muss eine strategische Schlüsselrolle im Unternehmen spielen. Die Folge: „Personaler müssen sich an ihren Erfolgen buchstäblich mit Zahlen messen lassen.“ Kennzahlen wie Wertschöpfung statt Kosten pro Mitarbeiter werden wichtige Steuerungsgrößen. Dazu zähle laut Umfrage auch ein Motivationsindex, regelmäßig ermittelt durch Mitarbeiterbefragungen.

Bricht nun das goldene Zeitalter der Personaler an? Um all diese Herausforderungen zu meisten, müssen sie viel mehr Sinn fürs Unternehmerische entwickeln. „Von den Personalern machen noch zu viele Kaminkarrieren“, kritisiert Strack. Er fordert: Gestandene Manager aus dem operativen Geschäft müssen dorthin rotieren.

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