Business-Wissen
Mini-GmbH als Retter

Deutschland, Gründerland? Von wegen. Zwar lesen wir ständig von neuen Unternehmen in der Internetszene, so dass mancher schon vom neuen Gründerboom spricht. Doch die Zahlen zeigen ein anderes Bild – und eine aktuelle Studie verdeutlicht, wie sich das ändern ließe.

Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur 308 000 kleinere Firmen ins Leben gerufen. Rund zwölf Prozent beträgt der Rückgang gegenüber 2006, wozu zum einen die weitaus geringere Zahl neuer sogenannter Ich-AGs beigetragen hat.

Aber Experten warnen: Auch die rechtlichen Hürden schrecken ab. Wie aber lässt sich das Unternehmertum in Deutschland ankurbeln? Eine aktuelle Umfrage des Internet-Gründerportals Foerderland.de zeigt, dass sich Jungunternehmer und solche, die es werden wollen, viel von der sogenannten Mini-GmbH versprechen, die die Bundesregierung plant: 88 Prozent der 774 Teilnehmer der Untersuchung rechnen mit einem Anstieg der Gründungen, wenn das Gesetz in Kraft getreten ist. Und immerhin 56 Prozent der Befragten gaben an, sie hätten bislang mit der Gründung gewartet, weil die Einführung der Mini-GmbH immer wieder verschoben wurde.

Nun soll die Neuregelung im Spätsommer in Kraft treten. Sie sieht eine deutliche Erleichterung vor: GmbHs brauchen künftig nur ein Mindestkapital von 10 000 statt 25 000 Euro. Die Mini-GmbH ist bereits mit einem Kapitaleinsatz von einem Euro zu gründen. Der Förderland-Studie zufolge hindert der große Kapitaleinsatz bei der GmbH 73 Prozent der potenziellen Gründer bisher an der Umsetzung ihrer Pläne. In der höheren Bürokratie und den höheren Kosten für Anwälte und Notare bei der konventionellen GmbH sehen 53 Prozent einen Grund, mit der Gründung einer Firma zu warten.

Mit der Mini-GmbH will der Gesetzgeber auch eine Alternative zu der britischen Rechtsform Limited geben, die seit ein paar Jahren als ausländische Einfach-Gesellschaftsform auch in Deutschland bei Gründungen eingesetzt wird. Doch die Limited genießt hierzulande einen schlechten Ruf bei Banken, auch von den Studienbefragten schenken nur 6,6 Prozent dieser Form das meiste Vertrauen.

Allerdings birgt auch die geplante Mini-GmbH Risiken: Experten rechnen durch das deutlich niedrigere Eigenkapital mit einem spürbaren Anstieg der Insolvenzen. Der Gesetzgeber will festlegen, dass eine Mini-GmbH ein Viertel des Jahresgewinns als Rückstellung bilanzieren muss. Die Wirkung ist allerdings fraglich, denn Start-ups machen üblicherweise in den ersten Jahren des Bestehens kaum Gewinn. Laut Förderland-Studie unterstützen Gründer und solche, die es werden wollen, aber mehrheitlich eine höhere Transparenz: verpflichtenden Angaben zum Verschuldungsgrad, zur Liquidität und zur Zinsdeckung könnten dem Gläubigerschutz dienen – und sollten ins geplante GmbH-Gesetz aufgenommen werden.

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