Cadbury-Verwaltungsratschef
Emotionsloser Sanierer mit Pokerface

Cadbury-Verwaltungsratschef Roger Carr gilt als harter Knochen. Seine Rolle beim Versuch der feindlichen Übernahme durch Kraft ist uneinsichtig: Kämpft Carr um die Unabhängigkeit von Cadbury - oder nur um einen guten Preis? So genau lässt er sich nicht in die Karten schauen.
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LONDON. In schwarzen BMW-Limousinen sind sie stets vorgefahren: die Männer einer Spezialeinheit des britischen Industriekonglomerats Williams. Sobald der Konzern ein Unternehmen übernommen hat, macht sich die Truppe an die Arbeit und verbreitet Angst und Schrecken.

Wenn die Männer wieder in ihre BMWs steigen und abfahren, steht kein Stein mehr auf dem anderen. "Wir mussten die übernommenen Firmen schnell auf Vordermann bringen", so haben sie später ihre Aufgabe umschrieben.

Roger Carr hat diese schnelle Eingreiftruppe aufgebaut, und er stand lange an ihrer Spitze. Mehr als zwei Jahrzehnte ist das her. Doch bis heute begründet es seinen Ruf, ein emotionsfreier Manager zu sein, ein abgezockter Sanierer, ein harter Knochen eben. Eigenschaften, die er auch jetzt gut gebrauchen kann - in seiner Position als Vorsitzender des Cadbury-Verwaltungsrats.

Gemeinsam mit Cadbury-Chef Todd Stitzer steht Carr an vorderster Stelle, um den feindlichen Übernahmeversuch des Schokoladenherstellers durch den US-Konzern Kraft abzuwehren - oder zumindest den Preis hochzutreiben.

Bislang wurde jede Offerte von Kraft abgelehnt

Ende vergangener Woche hat Kraft seine Offerte von zehn Milliarden Pfund allen Cadbury-Aktionären übermittelt. Jetzt haben Carr und Stitzer zwei Wochen Zeit, um den Anteilseignern Gegenargumente zu liefern - sie davon zu überzeugen, Cadbury nicht an Kraft auszuliefern, zumindest nicht für die gebotenen 713 Pence je Aktie.

Carr hat die Offerte bislang abgelehnt. Die Summe sei "läppisch". Und der US-Nahrungsmittelriese nur ein "wachstumsschwaches Konglomerat", unter dessen Dach Cadbury schlecht aufgehoben sein würde. Der Kampf ist eröffnet und Carr wie immer bestens vorbereitet. In den vergangenen Wochen soll er intensiv mit allen großen Aktionären gesprochen und eine Strategie entwickelt haben.

Eines seiner Lieblingsbücher ist "Die Kunst des Krieges" von dem chinesischen General Sun Tsu. Und dieser gibt seinen Lesern auf den Weg: "Wenn du den Feind und dich selbst kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten."

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