Citibank-Vorstandschef Nick
"Ich versuche, die Bank umzusteuern"

Ein halbes Jahr nach der Übernahme durch die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel erläutert der Vorstandschef der deutschen Citibank, Franz-Josef Nick, seine Strategie. Er muss an vielen Stellen kämpfen: Den Image-Schaden durch die Lehman-Zertifikate reparieren, höhere Ausfallraten bei Konsumentenkrediten überstehen und dem neuen Eigentümer dennoch ein sattes Kunden- und Gewinnwachstum präsentieren.

Handelsblatt: Herr Nick, Sie haben für die geschädigten Anleger von Lehman-Zertifikaten vor kurzem eine Kulanzregelung vorgestellt, nach der Sie rund 25 Prozent der Anleger mit bis zur Hälfte des verlorenen Geldes entschädigen. Ist das Thema damit für Sie erledigt?

Franz-Josef Nick: Nein. Wir haben versucht, eine Kulanzregelung für die besonders hart Betroffenen zu schaffen. Damit wollten wir ein Signal setzen, dass wir auf unsere Kunden zugehen. Aber damit kann man nicht erwarten, dass das Lehman-Problem ein für alle Mal aus der Welt ist. Es wäre unredlich, das zu sagen. Es gibt Kunden, die haben viel Geld verloren und sagen ja auch schon öffentlich, dass sie die Regelung nicht akzeptieren. Wir stellen aber fest, dass das Interesse an der Lösung sehr hoch ist, in den ersten Tagen haben sich schon mehr als 4 000 Kunden registrieren lassen.

Der Rest muss also vor den Gerichten geklärt werden?

Wenn es soweit kommt, ja. Auf der Kulanzseite können wir soweit gehen, wie wir es vorgestellt haben, und nicht weiter - das haben wir ja nicht am grünen Tisch gemacht, sondern zusammen mit der Verbraucherschutzorganisation NRW.

Wie haben sich denn Ihre Kundenzahlen entwickelt angesichts der Lehman-Diskussion?

Entgegen allen Gerüchten haben wir im ersten Quartal dieses Jahres netto mehr als 90 000 Kunden gewonnen. Unsere Stärke ist weiterhin im Kreditgeschäft, da kommt das Wachstum im Wesentlichen her. Das Ratenkreditvolumen beläuft sich auf 9,16 Milliarden Euro.

Heißt das, dass Sie sich als einer der größten Konsumentenkreditgeber noch stärker auf das Kreditgeschäft fokussieren?

Das ist nur eine Momentaufnahme. Wir wollen im Anlagegeschäft wachsen. Aber in diesem Jahr werden die wenigsten Banken in Deutschland sagen können, dass sie in diesem Segment gewachsen sind. Und mit Lehman konnte ich das bei uns auch nicht erwarten. Aber ich denke, wir werden die Bank wieder dorthin zurückbringen. Es wird keine alleinige Fokussierung auf das Kreditgeschäft stattfinden, auch das Vermögensberatungs- und Kreditkartengeschäft ist und bleibt wichtig. Seit Lehman haben wir anfänglich Einlagenvolumen verloren, haben aber jetzt stark aufgeholt und sogar mehr als 100 Millionen an Einlagen gewonnen gegenüber September 2008.

Für die Citibank war 2008 mit dem Verkauf ein bewegtes Jahr. Wie sehr haben Sie die Finanzmarktkrise in Ihrem Gewinn gespürt?

Die Zahlen von 2008 haben wir noch nicht veröffentlicht. Der Aufsichtsrat muss sie noch sehen. Was ich sagen kann, ist: Das Nachsteuerergebnis 2008 wird in etwa auf der Linie liegen wie 2007 - das waren 365 Millionen Euro.

Die Finanzkrise hat sich - abgesehen von den Lehman-Zertifikaten - in dem Jahr, in dem andere Banken Rekordverluste hatten, also kaum bei Ihnen bemerkbar gemacht?

Die Schleifspuren haben wir schon gespürt. Die Finanzmarktkrise hat im vergangenen Jahr ja im Wesentlichen die Investmentbanken erreicht. Wir als Retailbank waren kaum betroffen - unsere Eigenanlage ist extrem konservativ, da haben wir nichts abgeschrieben. In diesem Jahr aber erreicht die Krise die Realwirtschaft. Deshalb, bin ich sicher, wird dieses Jahr für uns wesentlich anstrengender als das letzte.

Wegen der Konsumentenkredite, bei denen Ihr Haus mit sieben Prozent Marktanteil einer der größten Anbieter ist?

Ja, ich erwarte wie die Experten, dass die Arbeitslosenzahlen wieder hochgehen zum Jahresende - das kann natürlich an unserem Kreditportfolio nicht spurlos vorbeigehen. Das Konsumklima ändert sich zudem, die Kunden sind zum Teil schon zurückhaltender. Das spüren wir schon in unserem Kreditneugeschäft.

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