Computergesteuerte Verarbeitung bei Playmobil
Märchenschloss aus der Maschine

Früher nahmen Christian Winter und seine Kollegen eine zurechtgeschnittene Kunststoffplatte, schnitzten von Hand kleine Arme, Beine, Helme und Funkgeräte - und setzten daraus ihre Prototypen zusammen - etwa für den Playmobil-Feuerwehrmann der neuesten Generation. Inzwischen läuft das automatisch, per virtuellen Schnitzsystem am PC.

KÖLN. Die 50 Konstrukteure des Spielzeugherstellers Geobra Brandstätter im fränkischen Zirndorf entwickeln Löschfahrzeuge, Märchenschlösser und Piratenschiffe mit dem CAD-System "Pro Engineer". "Auf dem handwerklichen Weg hat die Konstruktion ein Vielfaches der Zeit benötigt", sagt Playmobil-Entwickler Winter.

Ausgangspunkt für die Playmobil-Entwürfe ist heute ein virtuelles Schnitzsystem. Die Konstrukteure arbeiten nicht nur mit Maus und Tastatur, sondern mit einem Stift, der an einer Motorik aufgehängt ist, und so den Konstrukteuren direktes Feedback liefert: "Man spürt, was man bearbeitet", sagt Christian Winter. Die so entstandenen Einzelteile werden im Rechner zusammengesetzt und stehen für Simulationen zur Verfügung.

Die Software erstellt und verwaltet die 3D-Modelle aber nicht nur, sondern fügt den Entwürfen auch Intelligenz hinzu. Der virtuelle Playmobil-Prototyp kann schon im Computer auf Festigkeit und Beweglichkeit getestet werden.

Ist der Konstrukteur zufrieden, wird der Plan direkt an ein CNC-System übergeben, das aus Kunststoff ein reales Modell formt. Das sieht dann schon genauso aus wie das fertige Serien-Produkt. Es wird auch gleich fotografiert: Auf der Playmobil-Packung ist später dieser erste Prototyp abgebildet - auch das spart enorm viel Zeit, erläutert Konstrukteur Winter.

"Früher hat man sehr viel mehr Prototypen gebaut", sagt Thomas Langensiepen vom Softwarehersteller Solidworks, der sich auf automatisierte Konstruktionssysteme spezialisiert hat. Moderne CAD-Systeme können nicht nur die Formen verwalten, sondern die virtuellen Modelle direkt einem Praxistest unterziehen. So können die Konstrukteure beispielsweise die Festigkeit einer Stahlkonstruktion überprüfen, oder simulieren wie ein Handy einen Sturz aus einem Meter Höhe übersteht.

"Heute haben wir die zweite Welle der CAD-Anwendungen", erklärt Langensiepen. Viele Mittelständler, die bisher noch auf 2D-Entwicklungssysteme gesetzt haben, stellen heute auf moderne 3D-Systeme um. Der Return Of Investment sei meist in nur wenigen Monaten erreicht. Playmobil-Entwickler Christian Winter empfiehlt Mittelständlern, die Systeme auf dem Markt genau zu vergleichen. "Wichtig ist zu beachten, welches System zu welchem Produkt passt." So müssen Playmobil-Entwickler viel mit Freiformflächen arbeiten - nicht jede Software kommt damit zurecht.

Bei Geobra Brandstätter hat die automatische Konstruktion sich bewährt. Ein Konstrukteur betreut das Produkt vom ersten Grobentwurf bis zum fertigen Prototypen. Es gibt weniger Missverständnisse bei der Übergabe, und die Entwickler können ihre volle Kreativität einbringen. Mehrere Tausend Modelle sind so in den letzten Jahren entstanden, jedes Jahr kommen 600 Einzelteile hinzu - vom Mini-Funkgerät für den Spielzeug-Feuerwehrmann bis zum Lenkrad seines Feuerwehrautos.

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