Computerriese Dell
Aufgeben? Niemals!

Michael Dell hat sein Medizinstudium abgebrochen und einen Computerriesen aufgebaut. Doch nun ist sein Lebenswerk gefährdet. Er versucht es mit einer Radikalkur: Der Selfmade-Unternehmer zieht den Verkauf seiner Computer-Werke in Betracht.

FRANKFURT. Es ist Anfang Juni. Lächelnd präsentiert Michael Dell die Quartalszahlen des von ihm gegründeten gleichnamigen Computerkonzerns. Sie sind gut, überraschend gut. Doch trotz der Freude, allzu große Euphorie mag "Michael" nicht aufkommen lassen. Er bremst die Zuversicht gegenüber Analysten: "Wir haben noch einen weiten Weg vor uns", warnt der 43-Jährige.

Er scheint zu ahnen, was da noch kommt.

Zwei Monate später ist das Lächeln verschwunden. Zwar wächst der Umsatz weiter, doch auf Kosten der Profitabilität. Um 17 Prozent auf 616 Millionen Dollar bricht der Gewinn im zweiten Quartal ein. Und die Aktie rutscht ebenfalls ab.

Jetzt will Michael Dell offenbar die Notbremse ziehen. Der Unternehmensgründer und-chef wolle einen großen Teil, vielleicht sogar sämtliche Fabriken verkaufen, berichtet das "Wall Street Journal". Dell selbst schweigt.

Ein Verkauf wäre ein Erdbeben im Reich des Selfmade-Unternehmers Dell. Die eigene Produktion, ganz auf die Bedürfnisse von Dell zugeschnitten, ist die Basis des Unternehmens, eine der Säulen des jahrelangen Erfolges. Schlank sind die Fabriken, gebaut wird nur das, was die Kunden auch bestellt haben. Das reduziert das Umlaufvermögen und die Kosten. Mit diesem Konzept, kombiniert mit der Idee, die Produkte nur direkt und ohne die Marge des Handels zu verkaufen, ist Dell groß geworden und hat sogar den IT-Riesen Hewlett-Packard überrundet.

Doch Michael Dell, der die operative Verantwortung 2004 abgegeben, dann aber in der Krise Anfang 2007 das Zepter wieder selbst in die Hand genommen hat, steht unter Druck. Er will partout zurück auf Platz eins in der Rangliste der weltgrößten PC-Hersteller. Dazu braucht er vor allem eines: Absatz. Um den zu erreichen, hat er eine alte Idee wiedergeboren: den Verkauf über den Preis. Damit hatte Dell den Erzrivalen HP jahrelang erfolgreich geknebelt, ihm Marktanteile abgenommen. Ein Teufelskreis: War es viele Jahre HP, der Dell bei den Kosten hinterherrannte, ist es nun Dell, der aufholen muss. Ohne Kostenführerschaft aber ist Umsatzwachstum doppelt teuer.

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