Conergy holt erfahrenen Sanierer
Pepyn Dinandt geht zu Europas größtem Solarkonzern

Der ins Schlingern geratene Solarkonzern Conergy holt erfahrene Manager an Bord. Das Hamburger Unternehmen hat Pepyn R. Dinandt, 46, zum Vorstand für das operative Tagesgeschäft (COO) bestellt. Sollte sich Dinandt bei Conergy bewähren, könnte er schon in etwa einem halben Jahr den Chefposten übernehmen.

DÜSSELDORF. Der gebürtige Holländer tritt bereits zum 15. November an und wird Stellvertreter des noch amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Ammer, der vorübergehend, ebenfalls zum 15. November, den Vorstandsvorsitz übernimmt. „Dinandt ist Spezialist für Finanzen und Controlling“, beschreibt ihn ein Manager. Und Ammer nennt ihn „einen Experten für Reorganisation“.

Diese industrielle Erfahrung des früheren McKinsey-Mannes Dinandt könnte dem mit einem Umsatz von 752 Millionen Euro größten europäischen Anbieter von Solartechnologie sehr nützlich sein. Bei Conergy ist einiges aus dem Ruder gelaufen. Das frühere Management hat Solarmodule gegen Vorkasse eingekauft, aber erst mit langen Zahlungszielen an die Endkunden verkauft, die jetzige Liquiditätskrise ist die Folge.

Dinandt ist so schnell verfügbar, weil er seinen bisherigen Arbeitsplatz praktisch selbst wegrationalisiert hat: Der Wirtschaftswissenschaftler, der sein Studium an der University of Wales absolvierte, kommt vom Anlagenbauer SMS und war dort zuständig für den Geschäftsbereich Kunststofftechnik. Allerdings war er beim Weltmarktführer für den Bau von Hütten- und Walzwerken nur etwas über ein Jahr. Er hatte den Auftrag, den Bereich Kunststofftechnik, mit dem SMS nie glücklich geworden ist, zu sanieren und zu verkaufen. Dies ist inzwischen erfolgt. Vorher war Dinandt Vorsitzender der Geschäftsführung des Kunststoffmaschinenbauers Mannesmann Plastics Machinery.

Sollte sich Dinandt bei Conergy bewähren, könnte er schon in etwa einem halben Jahr den Chefposten des Solarkonzerns übernehmen. Denn der frühere Tchibo-Chef Ammer hat ausdrücklich erklärt, dass er nur vorübergehend an die Vorstandsspitze wechselt. Hans-Martin Rüter, der mit Ammer 1998 Conergy gründete, musste den Chefsessel verlassen. Er hatte eingeräumt, dass ihm das Geschäft über den Kopf gewachsen war.

Aufsichtsratschef Ammer ist nun offensichtlich dabei, ein erfahrenes Management-Team zusammenzustellen. Neben dem Sanierer Dinandt hat Ammer bereits den ehemaligen Schering-Vorstand Jörg Spiekerkötter geholt, der Finanzchef wird. Die wichtigste Personalie für Conergy aber ist der Einstieg von Otto Happel. Der zähe, äußerst kenntnisreiche Industrielle hat eine Option, seine Beteiligung von jetzt 4,25 Prozent auf 25,1 Prozent auszubauen – mit Aktien, die ihm vor allem Rüter unter Marktpreis verkaufen muss. Happel will dafür sorgen, dass Conergy wie die anderen Solarkonzerne wieder kräftig Geld verdient.

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