Continental
Continental ordnet Vorstand neu

Welch ein Comeback: Personalvorstand Heinz-Gerhard Wente hat beste Chancen auf Leitung von ContiTech. Eigentlich war der Mann schon abgeschrieben. Alain Hippe sollte ContiTech führen.

HAMBURG. Ausgeglichen, bodenständig, aber auch bestimmt. So beschreiben Kollegen wie Gewerkschafter Heinz-Gerhard Wente - einen Continental-Manager, dessen Aufstieg ihn von der kaufmännischen Lehre in knapp 30 Jahren bis in den Vorstand des Dax-Konzerns, Ressort Personal, gebracht hat. Nach der Übernahme von VDO landete die Mammutaufgabe der Integration auf Wentes Schreibtisch in Hannover-Vahrenwald. Mehr als 2 500 Stellen standen zum Abbau.

Wentes Bestimmtheit und Ausgeglichenheit sind jetzt wohl bei einem weiteren Job gefragt: Er soll den Chefsessel bei ContiTech, der Schlauchsparte des Konzerns, übernehmen. In Unternehmenskreisen heißt es, Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg wolle den 57-jährigen Wente in der morgigen Sitzung seinen 19 Mitkontrolleuren vorschlagen.

Dabei war die Aufgabe eigentlich seit Monaten für den Kronprinzen Alan Hippe vorgesehen. Weil der jedoch kurzfristig neben der PKW-Reifensparte sein angestammtes Finanzressort weiterführen muss, soll Wente einspringen.

Was für ein Comeback: Heinz-Gerhard Wente, der noch im Frühjahr neben Technikvorstand Karl-Thomas Neumann und Hippe als einer von drei Kandidaten für die geordnete Nachfolge des damaligen Firmenchefs Manfred Wennemer galt, war im Zuge der überraschenden Übernahme durch das fränkische Familienunternehmen Schaeffler von der Rechnung verschwunden. Jetzt kehrt er überraschend zurück.

Die Personalie zeigt, wie angespannt die Situation bei Conti selbst nach der Einigung mit Schaeffler ist. Einmal mehr ist die Tagesordnung der morgigen Zusammenkunft des Aufsichtsrats gehörig durcheinandergeraten. Was von Grünberg als Routinesitzung geplant hatte, durchkreuzte ihm Schaeffler-Boss Jürgen Geißinger kurzerhand. "Die Gemengelage ist schwer zu durchschauen", heißt es selbst in sonst gut informierten Unternehmenskreisen.

Ursprünglich wollte von Grünberg Jungmanager Michael Krause, Finanzchef des Post-Geschäftsfeldes Supply Chain Mainland Europe, zu Hippes Nachfolger als Conti-Finanzchef machen. Geißinger machte ihm allerdings einen Strich durch die Rechnung und setzte ein starkes Zeichen, wer neuer Herr im Conti-Haus ist. "Geißinger wünscht sich einen Mann mit mehr Erfahrung in der Position des Finanzvorstands", sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person.

Warum der Chef des Conti-Großaktionärs Aufsichtsratschef von Grünberg so öffentlichkeitswirksam auflaufen ließ und Krause, der nun bei der Post bleibt, demütigte, bleibt unklar.

Nutzen daraus zieht der geduldige Arbeitsdirektor Wente, der ab Oktober zusätzlich ContiTech führen darf. Dann geht der bisherige Chef Gerhard Lerch in Ruhestand.

Wente kennt ContiTech aus alten Zeiten. Er leitete einst die Abteilung Fluid, die an 35 Standorten Schlauchsysteme entwickelt und eine Milliarde Euro umsetzt.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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