COO John Riccitiello verlässt den Spieleentwickler Electronic Arts
Das Spiel ist aus

Halbe Sachen kann er nicht ausstehen und spielen ist für ihn eine ernste Angelegenheit. John Riccitiello (44) richtet sich im Business gerne am amerikanischen Nationalsport Baseball aus. „Swing for the Fences“, heißt es da knapp. Wenn du schon mal diesen blöden Ball auf dem Schläger hast, dann dresche auch dermaßen drauf, dass er die Zäune des Stadions hinter sich läßt-spiele immer auf den Homerun, nie auf das erste Base. Und jetzt hat er wieder drauf gedroschen - John Riccitiello, President und Chief Operating Officer des Weltmarktführers bei Video- und Computerspielen Electronic Arts, verläßt überraschend und auf dem Höhepunkt seiner Karriere das Unternehmen.

Zusammen mit dem Silicon Valley Investor Roger McNamee, Mitgründer der Private Equity Firmen Integral Capital Partners and Silver Lake Partners, will er in Zukunft in Fimen-Buy-Outs und Start-Ups im Bereich Medien- und Unterhaltungsindustrie investieren. Mit Hinweis auf rechtliche Restriktionen lehnten beide bislang detailliertere Kommentare zu ihrem neuen Fonds ab, der nach unbestätigten Medieninformationen eine Milliarde Dollar einsammeln will.

Als Riccitiello 1997 bei Electronic Arts, kurz „EA“ genannt, anheuerte, machte das kalifornische Unternehmen mit PC- und Videospielen einem Umsatz von rund 670 Mill.$. Die Börsenkapitalisierung lag bei rund 2,3 Mrd.$. Als er letzte Woche mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern zurücktrat, dürfte der Umsatz im gerade zuende gegangenen Finanzjahr die 3 Mrd.$-Marke überschritten haben. Die Börsenkapitalisierung liegt bei über 16 Mrd.$ und die EA-Aktie notierte nahe ihres Rekordhochs.

EA wurde unter seiner Führung zum „Microsoft der Videospieleindustrie“, wie auch Wettbewerber neidlos einräumen. Er machte endgültig Schluss mit der Mär vom pickligen, Pizza-essenden Spieleprogrammierer, der im Halbdunkel seines Jugendzimmers auf der Tastatur rumhackt. Spiele entwickeln bei EA ist heute Industriearbeit für Profis, die Budgets gehen in die Millionen und Lizenzgeber wie die großen Hollywood-Studios erwarten absolute Termintreue. Ist das Spiel nicht rechtzeitig zum Filmstart fertig, kostet das alle Beteiligte viel Geld.

Hatte EA im Jahr 2000 noch 13 Spiele, die jeweils mehr als 1 Mill. mal im ersten Jahr verkauft wurden, waren es 2003 schon 27. Gerade wurde ein neues Entwicklerzentrum in der Filmmetroploe Los Angeles eröffnet. Spieleserien wie das Footballgame „Madden NFL“, Fifa Soccer und „The Sims“ - haben bereits je über 1 Mrd.$ eingespielt. Die „Sims“ brauchten dafür gerade einmal vier Jahre. Und Electronic Arts ist siegen gewohnt: Bei der Videokonsole PS2 von Sony etwa haben EA-Spiele in den USA einen Marktanteil von 30%. Sony selber kam im Kalenderjahr 2003 gerade auf 12%, hat der Branchendienst NPD ermitelt. Bei Microsofts X-Box hält EA 23% der Softwareumsätze, Microsoft 16%.

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