Corporate Governance
Kommission prüft Regel für Managergehälter

Bankenverbandschef Klaus-Peter Müller hat als Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate-Governance-Kodex eigene Vorschläge für gerechte Managergehälter präsentiert. Führungskräfte sollen künftig für langfristigen Erfolg belohnt werden. Gleichzeitig kritisierte Müller die Pläne der Regierung.

FRANKFURT. Die Regierungskommission Deutscher Corporate-Governance-Kodex will sich mit eigenen Vorschlägen in die Diskussion um Managergehälter einmischen. Ihr Vorsitzender Klaus-Peter Müller kündigte gestern an, die Kommission werde bis zum Sommer ein Papier vorlegen. Handlungsbedarf sah er an drei Punkten: Vergütungssysteme müssten stärkere Langfristanreize und Versicherungen für Manager (D&O-Versicherungen) einen spürbaren Eigenanteil enthalten. Zudem kritisierte Müller, die Aufsichtsräte seien zu national und zu männlich besetzt. Müller selbst ist Aufsichtsratschef der Commerzbank.

Keine Notwendigkeit zur Verschärfung der inzwischen 103 Empfehlungen für eine gute Unternehmensführung sah Müller dagegen beim Thema Abfindungen. Der Kodex enthalte klare Regeln. Unter anderem sollen Zahlungen bei Beendigung der Vorstandstätigkeit auf zwei Jahresvergütungen begrenzt werden. Gibt es zudem Change-of-Control-Klauseln, soll der Deckel bei eineinhalb Jahresgehältern liegen. Beide Regeln zählen allerdings zu den weniger beachteten. Das stellte Axel von Werder, Leiter des Center of Corporate Governance an der TU Berlin, in seiner jährlichen Untersuchung zur Akzeptanz der Kodex-Regeln fest. Ausgewertet wurden gut 200 Unternehmen. Im Dax hielten sich demnach 93 Prozent der Firmen an die Vorgaben, insgesamt stieg die Akzeptanzquote von knapp 76 Prozent im Jahr 2004 auf gut 80 Prozent. Müller, der den Vorsitz der Regierungskommission im Sommer 2008 von Gerhard Cromme übernommen hatte, sah in dem Kodex ein wichtiges Instrument, um verlorengegangenes Vertrauen in die Marktwirtschaft wiederzugewinnen

Kritik übte Müller an den Plänen der Regierungskoalition zur Managervergütung. Anstellungsverträge für Vorstände im gesamten Aufsichtsrat zu beraten, hielt Müller für riskant: „Wenn das umgesetzt wird, dürfte es schwer werden, gute Kandidaten von außen zu gewinnen.“ Das Kontrollgremium könne wohl Musterverträge vorgeben, konkrete Vertragsverhandlungen müssten aber im Personalausschuss geführt werden. Für verfehlt hielt Müller zudem Pläne, den Wechsel von Vorständen in den Prüfungsausschuss eines Aufsichtsrats für drei Jahre zu blockieren (die sogenannte Cooling-off-Periode). In dieser Zeit gehe zu viel Sachverstand verloren, sagte Müller.

Auch Michael Kramarsch von der Management-Beratung Towers Perrin übte gestern Kritik, etwa an der Idee, die Managervergütung im gesamten Kontrollgremium festlegen zu lassen. „Wenn ich mir vorstelle, dass die Arbeitnehmervertreter, die über einen Sozialplan verhandelt haben, kurze Zeit später über die Entlohnung für Manager entscheiden müssen, dann halte ich das für eine extrem unglückliche Gemengelage“, sagte Kramarsch.

Zudem habe die Krise gezeigt, dass die Vergütungssysteme in Deutschland funktionierten. Im Schnitt sei die Direktvergütung eines Vorstandsvorsitzenden 2008 um 20 Prozent auf 3,3 Mio. Euro gefallen: „In den USA ging die Vergütung 2008 nur um 1,6 Prozent zurück. Ich freue mich, dass ein solcher Sündenfall in Deutschland nicht erfolgte.“

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