Deutsche Bank
Unangenehme Fragen von Rolf E. Breuer an Axel Wieandt

Axel Wiandts Auftritt versprach sowieso schon, spannend zu werden, und hatte dann auch noch Symbolkraft. Doch von der oft gepriesenen Brillanz des Ex-Hypo-Real-Estate-Chefs ist wenig zu spüren. Und dann wird er auch noch mit unangenehmen Fragen konfrontiert.
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FRANKFURT. Axel Wieandt, der im Streit um Bonuszahlungen aus München geflüchtete Ex-Hypo-Real-Estate-Chef, der seit Juni wieder zurück ist bei Deutschlands größtem Geldhaus und dort offiziell mit "Integrationsaufgaben" wie dem Verkauf der BHF Bank betraut ist, sprach am Dienstagabend bei der Vortragsreihe des Center for Financial Studies (CFS).

Doch von der oft gepriesenen Brillanz des aus einer Bankerfamilie stammenden 44-Jährigen, der sogar als Nachfolgekandidat für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gilt, ist wenig zu spüren. Oder liegt das daran, dass im Publikum niemand Geringeres sitzt als Rolf E. Breuer, von 1997 bis 2002 Deutsche-Bank-Chef, und damit der direkte Vergleich möglich ist - zumal Breuer Fragen stellt.

Es beginnt damit, dass Wieandt zu Beginn seines Referats "Bewältigung der Finanzkrise" ausdrücklich betont, nicht für die Deutsche Bank zu sprechen. Da verwundert es nicht nur, dass das Institut einen Pressesprecher mitgeschickt hat, sondern auch, dass der Vortrag in allen Positionen dem gleicht, was Ackermann regelmäßig propagiert: Ja, die Regulierung gehe in die richtige Richtung. Dann jedoch folgt ein langes, gut halbstündiges "Aber". Und schließlich das Fazit: Vieles ist falsch, der Herdentrieb wird verstärkt, die Wirtschaft droht abgewürgt zu werden. Gerade die Pläne, Mega-Banken besonders an die Kandare zu nehmen, geißelt Wieandt vehement. Es gehe um Vernetzung - nicht um Größe.

Ironischerweise ist es gerade der 73-jährige Breuer, der das anders sieht. Er verweist in der Fragerunde elegant auf UBS und Credit Suisse, die beiden Schweizer Banken, die im Falle eines Kollaps die eidgenössische Volkswirtschaft in den Abgrund reißen würden. Seien nicht "manche Geschäftsmodelle in gewisser Größenordnung für manche Nationen schlichtweg zu gefährlich?" fragt er.

Für Wieandt ist das unangenehm. Wer mag schon die eigene Aufstellung und Größe infrage stellen? Und so weicht der Ex-HRE-Chef lieber Breuers Frage aus und betont, wie stabil er das Modell der Universalbank an sich hält. Mit dieser Strategie bleibt er sich den ganzen Abend über treu. Selbst, als jemand aus dem Publikum wissen möchte, was Wieandt denn derzeit bei der Deutschen Bank macht, bleibt die Antwort vage: "Ich habe viele interessante Aufgaben und Projekte."

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

Kommentare zu " Deutsche Bank: Unangenehme Fragen von Rolf E. Breuer an Axel Wieandt"

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  • in Zeiten, die ich mir wirklich nicht wieder wünsche, hätte man Herren wie Axel Wieandt (bis vor kurzem HRE), Frank Krings und Kai Wilhelm Franzmeyer ( noch
    HRE, z. Zt. Versuch sich mit guten Abfindungen bzw. Altersversorgungen abzusetzen ) als "Volksschädlinge" bezeichnet.

  • vielleicht sollte man an dieser stelle erwähnen, dass diese letzte frage vom autor dieses artikels gestellt wurde.

    netterweise wurde der fragensteller nach herrn wieandt's reaktion ausgelacht. alle anderen fragen des publikums hatten ja ein fachliches niveau.

    dass das handelsblatt einen universitätsvortrag nutzt, um solche fragen zu stellen, zeigt wie wenig dieses blättchen vernetzt ist.

  • Vitamin-b gepushter globaler Erwärmer ...

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