Die Akteure im Kirch-Poker
Werner Schmidt - Der Vorsichtige

Der Ruhestand hätte so schön werden können. Weil in der neu geschaffenen Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) für Werner Schmidt nur ein einfacher Vorstandsposten übrig war, wollte sich der frühere Chef der Südwestdeutschen Landesbank schon vorzeitig ins Privatleben zurückziehen.

Die Ausgangslage: Acht Monate nach seinem Amtsantritt ist es für Schmidt der Reize fast schon zu viel. Die Pleite des US-Energieriesen Enron und die Wirtschaftskrise in Argentinien reißen bereits Löcher in ihre Kassen. Für das Jahr 2001 hat die Bank ihre Risikovorsorge deshalb auf 1,19 Milliarden Euro verdoppelt, der Jahresüberschuss sank um 34 Prozent auf 359 Millionen Euro. Mit 1,9 Milliarden Euro ist sie zudem Kirchs größter Kreditgeber. Da der Betrag zehn Prozent des haftenden Eigenkapitals überschreitet, liegt er an der Grenze des Zulässigen.
Seit Jahren gilt die BayernLB als verlängerter Arm der Münchner Politik – obwohl dem Land Bayern nur 50 Prozent gehören. Doch im Verwaltungsrat der Bank sitzen zahlreiche Kabinettsmitglieder. Amigo-Alarm gab es zuletzt im Februar 2001. Als Leo Kirch 1,1 Milliarden Euro brauchte, um sich die Mehrheit an der Formel 1 zu sichern, bat Erwin Huber, Chef der Münchener Staatskanzlei, bei der HypoVereinsbank persönlich um ein Darlehen. Allerdings vergeblich. Dann musste die BayernLB ran.

Ziele: Ein Teil der Kirch-Darlehen bei der BayernLB wird am 30. Juni fällig. Doch die Dresdner Bank und der Axel Springer Verlag verlangen bis Ende April bereits zusammen rund 1,2 Milliarden Euro von Kirch. Diesen Betrag könnte er durch den Verkauf seiner 40-Prozent-Beteiligung am Axel-Springer-Verlag aufbringen. Sobald sich der Medienzar zusätzlich von Telecinco getrennt hat, hat die Bank zumindest gute Aussichten, in den kommenden Monaten einen Teil ihrer Gelder wiederzusehen.

Chancen: Anders als der Dresdner oder Deutschen Bank dienen der BayernLB kaum Unternehmensanteile, dafür umso mehr Formel-1-, Film- und Sportrechte als Sicherheiten. Die sind anders als jene weniger von der Kirch-Misere betroffen. „Wir sind ausreichend besichert“, so ein Verwaltungsratsmitglied, „wir haben nichts zu befürchten – nicht einmal im Falle einer Pleite.“


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