Die Chipfirma Spansion
Pleite auf amerikanisch

Vor drei Jahren ging die Tochter des US-Chipherstellers AMD an die Börse - seither hat Spansion nur rote Zahlen geschrieben. Vergangene Woche nun hat sich die Firma aus dem Silicon Valley unter Gläubigerschutz nach "Chapter 11" begeben. Das Handelsblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem in Amerika häufig genutzten Verfahren.

NEW YORK/MÜNCHEN. Gut drei Jahre ist es her, seit der US-Chiphersteller AMD seine Speichertochter Spansion an die Börse gebracht hat. Seither hat die Firma aus dem Silicon Valley noch keinen Cent verdient. Angesichts tief roter Zahlen ist es dem Produzenten sogenannter Flash-Speicherchips zuletzt nicht mehr gelungen, seine Zinsen auf Anleihen zu bezahlen. Vergangene Woche hat die Firma mit 8 900 Mitarbeitern und 2,5 Mrd. Dollar Umsatz Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts beantragt.

Was zeichnet das Verfahren aus?

Ziel des Verfahrens ist die Reorganisation, nicht die Liquidation. Ein großer Unterschied zum deutschen Verständnis einer Insolvenz liegt darin, dass der Schuldner nicht zwingend zahlungsunfähig sein muss. Es reicht, wenn das Management einen Restrukturierungsbedarf sieht. Spansion ist dafür ein gutes Beispiel: Die Firma sei "in guter Verfassung, um sich im gegenwärtigen Umfeld finanzieren zu können", sagte Vorstandschef John Kispert am Tag der Insolvenz. Der Gang unter Chapter 11 sei "im Einvernehmen" mit den Anleihegläubigern erfolgt, die gegebenenfalls eine Finanzierung des Insolvenzverfahrens unterstützten.

Wer führt das Unternehmen in der Insolvenz?

Die Geschäftsleitung um Kispert bleibt im Amt. Sie entwirft einen Sanierungsplan, begibt sich allerdings unter die Kontrolle des Konkursgerichts in Wilmington, Delaware. Die Manager müssen sich alle Maßnahmen außerhalb des gewöhnlichen Geschäftsbetriebs genehmigen lassen. Das Management gibt damit zwar wesentliche Freiheiten auf, erhält aber im Gegenzug die Chance eines unbelasteten Neuanfangs. Denn in der Regel streicht das Konkursgericht einen Großteil der Firmenschulden und hebt ungesicherte Forderungen sowie Tarifverträge oder Betriebsrenten auf.

Wie geht das Unternehmen dabei vor?

Spansion hat Richter Carey vergangene Woche die Pläne vorgestellt. Innerhalb von vier Wochen will das Management entscheiden, ob die Firma verkauft oder saniert wird. "Gegenwärtig prüfen wir beide Optionen", sagte Spansion-Anwalt Gregory Lunt. Mit den Anleihebesitzern werde bereits verhandelt, um eventuell die Schulden in Eigenkapital umzuwandeln.

Welchen Einfluss haben die Gläubiger?

Während der Insolvenz dürfen die Gläubiger ihre Forderungen nicht geltend zu machen. Sie erhalten nach Abschluss des Verfahrens meist Anteile an der umstrukturierten Firma und müssen darauf hoffen, dass der Neuanfang zu einem profitablen Geschäft führt.

Wie lange darf das Verfahren dauern?

Ein typischer Chapter-11-Fall dauert etwa zwei Jahre. In dieser Phase müssen Schulden restrukturiert, Verträge neu ausverhandelt und ein Sanierungsplan entworfen werden. Danach finden Treffen mit einem Vertreter-Komitee der Gläubiger sowie den Aktionären statt, um den Restrukturierungsplan abzusegnen. Die endgültige Zustimmung bleibt dem Konkursgericht vorbehalten. In Zeiten der Kreditkrise ist die Anschlussfinanzierung von Konkurskandidaten aber zu einem zentralen Problem geworden. So arbeitet der führende US-Autozulieferer Delphi bereits seit mehr als drei Jahren unter Gläubigerschutz, ohne das Verfahren abzuschließen.

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