Die Nachfolge in Unternehmen hat viele rechtliche Hürden
Generationenwechsel ist oft schwierig

Wer ein Unternehmen übernimmt, soll nach dem Willen der Regierung künftig von der Erbschaftsteuer verschont bleiben. Für einen reibungslosen Generationenwechsel reicht das allerdings nicht aus.

DÜSSELDORF. Der Entwurf lässt sich lesen. Anfang 2007 will die Regierung Ernst machen mit der Reform der Erbschaftsteuer. Nutznießer sind vor allem Unternehmen. Bleiben sie nach dem Tod des Gründers bestehen, zahlen die Nachfolger für jedes Jahr, in dem sie den Betrieb weiterführen, ein Zehntel weniger Erbschaftsteuer. Nach einer Dekade entfällt die Steuerschuld damit vollständig.

Was die Politik allerdings schon als gelungene Entlastung des Mittelstands preist, bewerten Juristen eher kritisch: "Der Entwurf klingt besser, als er ist", moniert Michael Bonefeld, Fachanwalt für Erbrecht aus München. Er bemängelt vor allem, dass der Steuernachlass davon abhängt, ob der Erbe die Arbeitsplätze im Unternehmen erhält. Wer vorausschauend plane, müsse daher schon vor einem Unternehmensübergang Jobs abbauen, um Repressalien durch den Fiskus zu vermeiden. Da die Stundungsregelung außerdem nur für Vermögen gelte, das produktiv für den Betrieb arbeitet, blieben Festgelder, Wertpapiere, vermietete und verpachtete Grundstücke außen vor. "Solche Werte werden in Zukunft wie Privatvermögen behandelt und sind in voller Höhe erbschaftsteuerpflichtig. Streit, was zum produktiven und was zum unproduktiven Vermögen zählt, ist programmiert", resümiert Bonefeld.

In der Praxis scheitern die meisten Übergaben zudem an anderen Problemen als der Erbschaftsteuer. Zehn Prozent aller Insolvenzen gehen laut einer EU-Studie auf mangelhafte Unternehmertestamente zurück. So minutiös Unternehmer ihr Tagesgeschäft auch planen: Der Organisation ihrer eigenen Nachfolge widmen die meisten zu wenig Zeit.

Die Liste der Negativbeispiele ist lang. Der traditionsreiche deutsche Gewürze-Hersteller Ostmann etwa fiel nach dem Unfalltod seiner Inhaberin an den ungeliebten Ex-Ehemann. Erbstreitigkeiten der Familie Gucci mündeten in dem Verkauf des Mode-Labels an ein arabisches Investmentunternehmen. Und selbst der millionenschwere amerikanische Unternehmer Howard Hughes schaffte es nicht, sein Imperium ohne Reibungsverluste an die Nachwelt zu übergeben. Insgesamt kursierten 52 Dokumente mit angeblichen Testamenten, 400 Personen meldeten Rechte an. Am Ende des 20 Jahre langen Erbstreits profitierten vor allem die Anwälte: Ihre Gebühren lagen bei 30 Mill. Dollar.

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