Die Stunde der Claim Manager
Sie handeln, wo Chef und Syndikus versagen

Bosch bringt die Produktion von Daimler-Chrysler und BMW zum Erliegen, weil den Zulieferer technische Probleme bei Diesel-Einspritzpumpen plagen. Die LKW-Maut wird ein ums andere Mal verschoben, weil die Technik nicht ausgereift ist. Für solche Fälle gilt: Der Schaden ist da, doch die Regress-Ansprüche sind meist ungeklärt. Hätte man das nicht vorher absehen können?

Wie lassen sich Schadenersatzansprüche durchsetzen, wo Verträge oft merkwürdig unscharf bleiben? Wie ist zu reagieren, ohne wichtige Geschäftspartner zu verprellen – und ohne vor Gericht zu ziehen?

Hier schlägt die Stunde des Claim Managers (CM) – ein seltenes, aber zukunftsträchtiges Berufsbild. Ulrich Hagel von Bombardier Transportation ist so ein „Nachforderungsmanager“. Er sorgt im Vorfeld dafür, dass Verträge keine unangenehmen Überraschungen zulassen und Projekte optimal ablaufen. Sollte es dennoch zu Nachforderungen etwa bei Leistungen und Honoraren kommen, ist es Hagels Aufgabe, diese wegzuverhandeln – oder auch eigene Ansprüche durchzusetzen.

Das noch etwas exotisch klingende Thema gewinnt an Bedeutung: „Claim Management wird immer wichtiger, weil Projekte technologisch und personell immer komplexer werden“, erklärt Hagel. „Wir schulen deshalb nicht nur unsere Mitarbeiter, sondern auch Externe.“

Eine schlechtere Zahlungsmoral und zunehmende Abhängigkeit von Monopollieferanten verstärken die Notwendigkeit eines Claim Managements. Hinzu kommen Termin- und Kostendruck. „Falsch wäre es, dieses Instrument als Cash-Cow zu sehen, mit dem nach der Vertragsunterzeichnung das große Geld zu holen ist“, stellt Jurist Hagen klar. „Uns geht es darum, Ansprüchen des Kunden oder Lieferanten vorzubeugen oder sie abzuwehren.“

Kunden werden mäkeliger und trickreicher, wenn es darum geht, Vorteile aus einem unsauber formulierten Vertrag für sich herauszuschlagen. „Besonders in der Baubranche, im Maschinen- und Anlagenbau, der Verkehrstechnik sowie der Informationstechnik ist das Thema von Bedeutung“, so Klaus Bechler, Mitinhaber von Bechler & Streit, einer Beratung spezialisiert auf Claim Management.

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