Dorothee Blessing
Power-Bankerin verlässt Goldman Sachs

Eine der wenigen Frauen in der Top-Liga deutscher Banken tritt ab. Dorothee Blessing verlässt Goldman Sachs. Nach 20 Jahren will sich die Frau von Commerzbank-Chef Blessing zunächst ins Privatleben zurückziehen.
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FrankfurtSie war eine der wenigen Frauen, die es bei einer Bank in die Top-Liga schafften: Dorothee Blessing, Co-Chefin des deutschen Investment-Bankings bei Goldman Sachs, verlässt das amerikanische Institut. Die 45-Jährige wolle nach rund 20 Jahren bei der Investmentbank in Ruhe darüber nachdenken, was sie in der zweiten Hälfte ihres Berufslebens machen wolle, erklärte Blessing ihren Rückzug gegenüber Kollegen. Goldman Sachs wollte sich dazu nicht äußern.

Zeitweise hatte es Gerüchte gegeben, dass sie auf der Wunschliste von Morgan Stanley als neue Deutschland-Chefin stünde. Dort musste Dirk Notheis wegen der EnBW-Affäre im vergangenen Jahr gehen. Zuletzt hatte die Bankerin schwarz für Investmentbanker gesehen. Sie ging davon aus, dass es keinen Rotation zwischen den Investmentbanken geben werde: „Jetzt werden mehr Leute die Bankenwelt ganz verlassen“, sagte sie im Mitte Februar gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Nun gehört sie selbst dazu.

Die Ehefrau des Commerzbank-Chefs Martin Blessing und Mutter von drei Kindern hatte ihre Karriere bei Goldman Sachs 1992 als Analystin begonnen und war der Firma mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung treu geblieben. Im Jahr 1994 wechselte sie für rund sechs Monate zur Deutschen Bank. Dort merkte die Bankerin, dass die Kultur der Deutschen Bank doch nicht ihre Sache war und kehrte zu Goldman Sachs zurück.

Zuletzt war sie bei Goldman Sachs als Partnerin für das Geschäft mit Firmenfinanzierung sowie Fusionen und Unternehmensübernahmen in Deutschland und Österreich verantwortlich. Sie hatte unter anderem Unternehmen wie Henkel und den Reisekonzern TUI betreut. Blessing, geborene Wieandt, stammt aus einer alteingesessenen deutschen Bankiersfamilie. Ihr 2007 verstorbener Vater Paul Wieandt leitete unter anderem die Frankfurter Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) und die Schmidtbank. Ihr Bruder Axel Wieandt war zeitweilig Chef der Immobilienbank Hypo Real Estate.

Einen direkten Nachfolger für die Topbankerin wird es bei Goldman Sachs offenbar nicht geben. Wolfgang Fink, bisher gemeinsam mit Blessing Co-Chef des Investment-Bankings in Deutschland und Österreich, soll das Geschäft künftig alleine leiten, berichten Finanzkreise.

Fink arbeitet ebenfalls seit rund 20 Jahren bei Goldman Sachs, unter anderem als Berater von Private-Equity-Firmen sowie als Co-Leiter des Investment-Bankings in Russland und Osteuropa sowie als Leiter des Sektors europäische Industriekunden innerhalb des Investment-Bankings. Deutschlandchef von Goldman Sachs bleibt unverändert Alexander Dibelius, der auch die Geschäfte der Bank in Österreich, Zentral- und Osteuropa führt.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

Kommentare zu " Dorothee Blessing: Power-Bankerin verlässt Goldman Sachs"

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  • Hoffentlich verabschiedet sich ihr Ehemann auch möglichst bald ins Privatleben, bevor sich die Commerzbank völlig in Luft auflöst.

  • Goldman Sachs, das ist doch die Firma, die
    Gottes Werk auf Erden verrichtet!

    Der Statthalter in der Provinz Germanien heißt
    nicht Pontius Pilatus, sondern ALEXANDER DIBELIUS.

    Dieser Herr war in einem früheren Leben Chirurg - dann
    fühlte er sich zu Höherem berufen.FROM HELL!

  • Vielleicht kam sie für höhere Weihen nicht in Frage, weil man ihr nicht zutraute, sich auf bestimmte Dinge einzulassen die in Folge zwar das Einkommen extrem erhöhen, aber auch erpressbar machen. Diese Typus versucht man dann, in leitende Positionen von Notenbanken, Börsenaufsichten etc. zu stecken, wo sie dann gute Marionetten abgeben. Europa, vor allem England sowie die USA sind voll von solchen ExGoldmännern. Nicht umsonst heißt es in der Wirtschaft "Einmal Goldmann, immer Goldmann". Ich hoffe und wünsche ihr, dass sie unabhängig und frei geblieben ist.

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