EADS
Der Vordenker

Den kahlköpfigen EADS-Chef Louis Gallois kennt in Deutschland fast jeder, seinen wichtigsten Vordenker fast niemand. Ein Fehler, denn Chefstratege Marwan Lahoud gilt als kommender Top-Mann beim deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzern.

PARIS. Paris im Mai, in der Bibliothek des Edelhotels Saint James im 16. Arrondissement. Marwan Lahoud setzt sich auf einen der niedrigen, braunen Ledersessel, bestellt einen Tomatensaft und atmet erst einmal tief durch. „Es ist schon zehn Jahre her, dass ich bei der Aérospatiale angefangen habe“, beginnt der EADS-Strategievorstand das Gespräch. Und dann lässt der quirlige Manager mit den ruhelosen, dunklen Augen die Jahre im Zeitraffer Revue passieren.

Zehn Jahre, in denen die Aérospatiale den Überschalljet Concorde baute, mit der Rüstungsgesellschaft Matra fusionierte – um im Jahr 2000 mit Daimlers Dasa in EADS aufzugehen. Und zehn Jahre, in denen der gebürtige Libanese in der hochpolitischen Luftfahrt- und Rüstungsbranche Stufe um Stufe aufstieg.

Heute hat der 42-jährige Strategie-Chef alle Schlüsseldossiers des EADS-Konzerns auf seinem Schreibtisch: Zukäufe in den USA, die Werksverkäufe von Airbus, Ausbau des Rüstungsgeschäfts. Themen, zu denen die Aktionäre von EADS auf der heutigen Hauptversammlung in Amsterdam Antworten von Konzern-Chef Louis Gallois hören wollen. Den kahlköpfigen EADS-Chef kennt in Deutschland fast jeder, seinen wichtigsten Vordenker fast niemand. Ein Fehler, denn Lahoud wird als einer der fähigen Köpfe gehandelt, die Gallois einmal ablösen könnten.

Marwan Lahoud hat sich auch intern immer wieder als geschickter Stratege erwiesen. Aus den deutsch-französischen und den innerfranzösischen Machtkämpfen bei EADS hat er sich rausgehalten. Das hindert den Rugby-Fan nicht daran, Klartext zu reden. „Wenn Probleme auftauchen, wird die Stärke von EADS schnell zu einer Schwäche: eine internationale Gesellschaft zu sein.“ Ein französischer Ingenieur, sagt Lahoud, dem der Bonus gekürzt werde, würde die Gehaltskürzung darauf zurückführen, „dass sein Chef ein Deutscher ist und umgekehrt“.

Wie kann EADS das nationale Klein-Klein überwinden? „Sie müssen die Leute für ein Projekt gewinnen und begeistern. Dann wird das Projekt zu ihrer Nationalität“, antwortet er. Dass Lahoud das Zeug dazu hat, bestätigt Airbus-Chef Thomas Enders, ein Freund Lahouds: „Ich schätze an ihm besonders seine Internationalität und seine Fähigkeit, internationale Teams motivierend zu führen“, sagt Enders.

Dass es richtig ist, EADS stärker zu internationalisieren und zu integrieren, davon ist der Strategie-Chef überzeugt. „In acht Jahren werden die Leute darüber lachen, wenn man von EADS als einem deutsch-französischen Unternehmen spricht“, prognostiziert Lahoud.

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