Ehemaliger Vertriebschef Jürgen Fahr kämpft vor Gericht gegen seinen Ex-Arbeitgeber Daimler-Chrysler
Der graue Markt und das Haus auf Mallorca

Eigentlich müsste Jürgen Fahr jetzt in Frankfurt sein - auf der Automesse IAA. Doch Jürgen Fahr sitzt in Berlin im Arbeitsgericht. Er soll bei Daimler-Chrysler als Vertriebsleiter für Mercedes, Smart und Maybach gegen hausinterne Daimler-Regeln bei der Vergabe von Großkundenrabatten verstoßen haben.

BERLIN. Eigentlich gehört Jürgen Fahr hier nicht hin. Karg ist es, die Wände sind weiß, ohne Schmuck. Melancholie, dein Name ist Arbeitsgericht Berlin.

Eigentlich müsste Fahr jetzt in Frankfurt sein. Auf der Automesse IAA. Er würde im Rund des Daimler-Chrysler-Stands stehen, mit Niederlassungsleitern plaudern, mit Kunden. Vielleicht hätte er sogar ein Wort mit Finanzminister Hans Eichel gewechselt, als der sich vorgestern in der sparsamen A-Klasse ablichten ließ.

Eigentlich.

Doch Jürgen Fahr ist nicht in Frankfurt, er ist der exotische Farbtupfer in Saal 523 des Berliner Arbeitsgerichts. Der Sohn der schwäbischen Landmaschinendynastie Fahr, deren Unternehmen vom Rivalen Deutz übernommen wurde, ist braun gebrannt, seine Krawatte leuchtet pink-rot, an seiner Seite Anwältin Claudia Frank von Probandt & Partner in auffälligem Gelb.

Und auch der Prozess, um den es gestern ging, ist etwas Besonderes. Er dreht sich um Graumarktgeschäfte mit Nobelautos, um private Vergünstigungen – und vor allem um die Ehre des Hauses Daimler-Chrysler.

Von diesem war Fahr einst ein nicht unbedeutender Teil. Als Leiter des Vertriebs für Mercedes, Smart und Maybach in Deutschland zeichnete er seit 2002 verantwortlich, schon damals war er ein Vierteljahrhundert in Diensten der Stuttgarter.

Zu Fall brachte ihn die Affäre um den Pfaffenhofener Ladenbauer Franz Attinger. Dieser besaß seit den 90ern einen Großkundenrabatt von zehn Prozent beim Kauf von Mercedes-Modellen. Bis zu 300 Stück nahm er pro Jahr ab, was jeden verwundert hätte, der Attingers Mitarbeiterzahl kannte: Sie bewegte sich konstant im einstelligen Bereich.

Attinger verkaufte die Wagen weiter und bereicherte sich durch den Rabatt. Graumarktgeschäft nennt man das. Die Hersteller tolerieren solche Zwischenhändler je nach Marktlage: Zwar verhagelt ihnen das ein wenig die Rendite, doch in schlechten Zeiten bleiben zumindest die Verkaufszahlen stabil. Graumarktgeschäfte sind nicht einmal illegal – aber sie verstoßen gegen die hausinternen Daimler-Regeln.

Fahr behauptet, der damalige Mercedes-Lenker Jürgen Hubbert habe ihm aufgegeben, das Graumarkttreiben sukzessive zu unterbinden. Er solle sich „bemühen, den Interessen beider Unternehmen (also Daimlers und Attingers) angemessen Rechnung zu tragen“.

Deshalb habe er für das Jahr 2003 ein neues Rabattabkommen mit Attinger ausgehandelt, höchstens 130 Wagen hätte dieser bekommen können. Im Herbst des Jahres war all dies ohnehin nichtig: Attinger meldete Insolvenz an.

„Ja, aber“, ergänzt Daimler-Chrysler-Anwalt Bernd Roock von CMS Hasche Sigle: Für weitere Bestellungen hätte Attinger eine Gutschrift von zehn Prozent erhalten. Es habe also kein Limit gegeben. Außerdem hätte Fahr klar sein müssen, dass es Attinger ausschließlich um den Weiterverkauf gegangen sei: „Sie sind Profi. Jetzt erzählen Sie uns, Sie hätten geglaubt, dass eine Ladenbau-Firma in größerem Umfang aufgebretzelte Fahrzeuge für den Eigenbedarf gebraucht hätte?“ Daimler sieht eine Pflichtverletzung bei Fahr, er hätte den Großkunden Attinger überprüfen müssen. Fahr sieht das anders: Seit 1998 habe es Rabattverträge mit Attinger gegeben. Die hätten nicht in seinem Zuständigkeitsbereich gelegen.

Doch das ist nur der eine Teil der verworrenen Geschichte. Der andere ist privater. Und anrüchiger. Er handelt von einer bemerkenswerten Dreier-Konstellation.

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