Eine Umstellung des Systems begrenzt die Risiken
Konzerne verringern ihre Pensionslasten

Die großen Ratingagenturen haben zuerst darauf aufmerksam gemacht: Pensionsverpflichtungen können für viele Unternehmen zu einer Zeitbombe werden. Den Dax-Unternehmen Thyssen-Krupp, Deutsche Post und Linde bescherten sie seinerzeit eine Herabstufung.

DÜSSELDORF. Mit den neuen Bilanzierungsregeln nach IFRS stehen deutschen Unternehmen jetzt neue Überraschungen ins Haus. Die Pensionsverpflichtungen werden gegenüber den HGB-Vorschriften im Schnitt 20 Prozent höher ausfallen, schätzen Experten. Denn die neuen Bilanzierungsrichtlinien bilden die Höhe der zu erwartenden Zahlungen realistischer ab.

„Es ist abzusehen, dass eine ganze Reihe von Firmen von ihren Altschulden überrollt wird“, warnt Konzernkundenbetreuer Michael Baumann von der Dresdner Bank. Unüberschaubare Pensionsverpflichtungen verschlechtern die Bonität und verteuern Kredite, warnt er. Das Problem vieler deutscher Unternehmen liegt darin, dass sie traditionell das Geld für künftig fällige Renten einfach im Unternehmen ließen, um genügend liquide Mittel zu haben. Diese Form der Innenfinanzierung nutzen heute noch 60 Prozent aller Unternehmen. Doch was in der Vergangenheit bestens funktionierte, wird mehr und mehr zum belastenden Klotz.

Das hat auch den Vorstand der Nordzucker AG gestört. Wenn demnächst die Zuckerpreise dereguliert werden, muss das Unternehmen über Zukäufe wachsen, um bestehen zu können. Die Firma strebt ein Rating an, damit sie Übernahmen günstig finanzieren kann. 50 Mill. Euro hat es sich Nordzucker kosten lassen, einen Teil der Pensions-Risiken über eine Rückdeckungsversicherung an die Allianz abzugeben. Der Versicherer bestreitet künftig dauerhaft die Rentenzahlungen jedes zweiten Pensionärs. Finanziert hat Nordzucker den Betrag über einen Bankkredit. „Wir haben damit aus einer unbestimmten Verbindlichkeit eine konkrete gemacht“, sagt Finanzvorstand Jens Fokuhl. Geplant ist, den Kredit möglichst rasch zu tilgen. Alle Lasten auf eine Versicherung abzuwälzen, dürfte in den meisten Fällen zu teuer sein. Norbert Senghas von der Allianz Dresdner Pension Consult empfiehlt deshalb Teillösungen: „Die größten Risiken sollte das Unternehmen zuerst abdecken.“

Mehr Überschaubarkeit wollte auch der Siemens-Konzern erzielen, als er sämtliche Mittel auslagerte. 17,7 Mrd. Euro lagern über ein „Contractual Trust Arrangement“ in einem Fonds, der als eingetragener Verein die Vermögensverwaltung übernahm. Die Mittel werden am Kapitalmarkt angelegt und stehen für interne Zwecke nicht mehr zur Verfügung. Pensionsfonds sind vor allem in angelsächsischen Ländern die Regel. „Das bringt deutliche Vorteile in der internationalen Vergleichbarkeit“, sagt Sprecher Wolfram Trost von Siemens. Gut für die Optik: Bilanztechnisch kann der Konzern Pensionsverpflichtungen mit den Vermögenswerten verrechnen. Im operativen Ergebnis taucht nur noch die Bedienung der Pensionen auf, Schwankungen des Pensionsvermögens dagegen nicht.

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