Electrolux-Chef Hans Stråberg
Der Schweiger aus Stockholm

Der Mann ist die Ruhe selbst. Da brodelt es in Nürnberg am Stammsitz des deutschen Hauhaltsgeräteherstellers AEG, weil der Mutterkonzern die traditionsreiche Fabrik mit 1750 Mitarbeitern bis Ende 2007 schließen will. Doch Hans Stråberg, Chef des schwedischen Mutterkonzerns Electrolux, hält sich raus.

STOCKHOLM. Ein Kontrastprogramm: in Nürnberg Fackelzüge und Protestmärsche aus Zorn, in Stockholm Schweigen. Zorn gegen die Schließung des Haushaltsgeräteherstellers, der anno 1883 als „Allgemeine Electricitätsgesellschaft“ mit der Produktion von Glühbirnen startete. Und Zorn gegen „die da oben“ – und das ist nicht nur hierarchisch, sondern auch geographisch gemeint.

Die da oben im Norden Europas, das sind die Manager der schwedischen Electrolux, des weltgrößten Haushaltsgeräteherstellers – allen voran Konzernchef Hans Stråberg, der die Nürnberger Produktion von Spül- und Waschmaschinen unter anderem nach Polen auslagern will.

Den Schonwaschgang hat der 48-Jährige nicht gerade eingelegt. Verhandlungen über einen Sozialplan zwischen der IG Metall und seinem Konzern scheiterten Ende vergangener Woche. Schon diese Woche droht ein erneuter Arbeitskampf. Doch aus der Stockholmer Konzernzentrale hört man seit Bekanntgabe der Schließung im Dezember kaum noch ein Sterbenswörtchen.

Das passt zu dem zurückhaltenden Stråberg, dessen Erscheinung so ganz dem Bild eines schüchternen Schwedens entspricht, eines Managers, dem Konsens oft wichtiger ist als das Kosten-Nutzen-Kalkül. So jedenfalls scheint es, wenn man Stråberg begegnet – ein Irrtum.

Auch viele Electrolux-Mitarbeiter waren zunächst überrascht, als Stråberg 2002 zum Konzernchef aufstieg. „Er ist schüchtern und nicht besonders redegewandt“, mokierten sich damals sogar Manager aus seiner engsten Umgebung.

Doch Hans Stråberg ist nicht weich. Er ist eben nur, anders als seine Vorgänger, kein Mann der großen Worte.

Zupacken kann er dennoch. Der schlanke, hoch gewachsene Schwede hat Ende der 90er-Jahre als USA-Chef von Electrolux gelernt, auch harte Beschlüsse selbst zu fassen. „Es gibt einen übertriebenen Glauben an Konsensentscheidungen in Schweden“, hat er einmal gesagt. Und: „Ich liebe es, Entscheidungen zu fällen, gerne auch wichtige.“

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