EnBW-Chef Claassen will den Beweis antreten, dass die 4-Tage-Woche nicht nur bei Autoproduzenten funktioniert
Alles eine Frage der Organisation

Beim Energiekonzern EnBW in Karlsruhe muss in drei Jahren eine Milliarde Euro eingespart werden, verkündete der Vorstandsvorsitzende Utz Claassen im Juli – davon 350 Millionen Euro im Personalbereich. Jetzt soll konkret werden, wo die Einsparungen herkommen: Ob es betriebsbedingte Kündigungen oder ob es Alternativen gibt.

Herr Claassen, ist Personalabbau in großem Stil vermeidbar?

Bei einem Stromkonzern kann man nicht sparen, wo man will. Für zugekauften Strom und Brennstoffe gibt es Marktpreise, die können wir nicht beeinflussen. Auch nicht die Abschreibungen aus früheren Investitionen. Bei sicherheitsrelevanten Themen können und wollen wir nicht sparen. 650 Millionen Euro Einsparungen kommen aus Maßnahmen außerhalb des Personalbereichs. Die Vorwürfe, das Personal sei überproportional von den Sparmaßnahmen betroffen, sind falsch.

Präzisieren Sie das bitte.

Drei Effekte kommen zusammen: Erstens wurde die mangelnde operative Ertragskraft nun transparent, zweitens können wir nicht mehr so großzügig Rückstellungen auflösen wie früher, und drittens gab es bilanzielle Altlasten.

Und das kommt überraschend?

Auf der Pressekonferenz am 4. Juli habe ich verkündet – unmittelbar danach auch betriebsintern – , dass bis 2006 insgesamt eine Milliarde Euro eingespart werden muss, und davon 350 Millionen im Personalbereich. Da konnte sich jeder ausrechnen, was das heißt. Niemand sollte jetzt eine Show der Überraschung abziehen. Was ich Anfang Juli verkünde, kann nicht Monate später Empörung auslösen. Mir ist zudem völlig schleierhaft, warum die Zahl 3 700 in die Öffentlichkeit geraten musste. Der Vorstand hat eine solche Zahl nie genannt. Die Menschen im Unternehmen werden unnötig verunsichert.

Warum stellen Sie das nicht klar und legen Ihr Konzept vor?

Fakt ist, dass wir alle Betriebsvereinbarungen mit übertariflichen Leistungen vorsorglich gekündigt haben. Diese Kündigung betrifft die Altersversorgung, Weihnachtsgeld, Erschwerniszulage sowie Erfolgsbeteiligungen. Das heißt aber nicht, dass wir gleich alles abschaffen. Das missverstehen aber manche Mitarbeiter und meinen, ihnen werde rückwirkend die erworbene Altersvorsorge genommen. Das ist falsch; niemandem wird genommen, was er verdient hat. Gemeint ist nur die Zukunft. Doch in diesen übertariflichen Sozialleistungen steckt ein Potenzial von 135 Millionen Euro. Das ist mehr als ein Drittel der ganzen Einsparsumme beim Personal. Dies würde den Personalabbau erheblich senken. Seit Juli hat der Vorstand sein Konzept übrigens vorgelegt.

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