EnBW-Chef Utz Claassen hat ein turbulentes Jahr hinter sich – und noch viele Probleme vor sich
Das Energiebündel

Sein erstes Versprechen hat Utz Claassen nicht gehalten: „Jeder, der einen Bruch erwartet, wird enttäuscht sein.“ Das sagte der 40-Jährige vor einem Jahr auf der Hauptversammlung der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) – damals noch als Gast, wenige Tage bevor er von Gerhard Goll den Vorstandsvorsitz übernahm.

DÜSSELDORF. Am kommenden Donnerstag lädt die EnBW wieder zur Hauptversammlung. Doch bruchlos ging es wahrlich nicht zu in den vergangenen zwölf Monaten: Seit Utz Claassen regiert, ist nichts mehr bei Deutschlands drittgrößtem Energiekonzern wie zuvor.

Hinter dem Unternehmen und seinem schillernden Chef liegt eine turbulente Zeit: Nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt deckt Claassen schonungslos Altlasten auf, gegen Ex-Chef Goll werden daraufhin Ermittlungen eingeleitet. Mit der Belegschaft ringt er monatelang um die Personalkosten, reihenweise unrentable Beteiligungen verkauft er – am Ende ist die EnBW mit einer Milliarde Euro in den Miesen.

Kaum ein Vorstandschef hat im vergangenen Jahr für so viel Wirbel gesorgt. Mit allen schmutzigen Begleiterscheinungen: Streitereien um Tochtergesellschaften werden öffentlich ausgetragen, es werden viele Geschichten kolportiert – wahre und viele falsche.

In der Energiebranche steht man dem Ex-Chef des Wägetechnikspezialisten Sartorius noch immer reserviert gegenüber: Über den Newcomer wird kräftig getuschelt. In vertrauter Runde nehmen selbst hochrangige Energiemanager kein Blatt vor den Mund: „Dass er die richtigen Dinge anpackt, ist unumstritten“, sagt ein Kenner des Unternehmens, „geschmunzelt wird darüber, wie er es macht und wie er in der Öffentlichkeit auftritt“. Claassen sei eben ein Querdenker in einer konservativen Branche, sagt Hermann Schierwater, sein Kommunikationschef.

Den Finanzmarkt hat der harte Sanierer dagegen überzeugt. „In Anbetracht der Tatsache, dass die Aufgabe nicht einfach war, hat Claassen einen ausgezeichneten Job gemacht“, meint Franz Rudolf, Anleihen-Analyst bei der Hypo-Vereinsbank. Er habe seine Strategie konsequent durchgezogen.

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