EnBW-Vorstandsmitglied
Entlassen, verklagt - und wieder eingestellt

Wegen verlustreicher Geschäfte wurde er entlassen, dann verklagt. Nun hat sein früherer Arbeitgeber EnBW den Technikvorstand Hans-Josef Zimmer wieder eingestellt. Und verlangt gleichzeitig Schadensersatz von ihm.
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StuttgartVorstandspersonalien nehmen bei der EnBW schon länger bizarre Formen an. Der Fall des Technikvorstands Hans-Josef Zimmer ist aber selbst für das süddeutsche Energieunternehmen außergewöhnlich. Seit Jahresbeginn ist Zimmer Vorstandsmitglied beim drittgrößten deutschen Energiekonzern – mal wieder. Denn Zimmer war das bereits in der Vergangenheit, musste dann aber wegen dubioser Russland-Geschäfte im Sommer 2010 gehen. Er soll einen Schaden von mehr als 100 Millionen Euro verursacht haben. Aufgehoben sind die Vorwürfe von damals nicht – Zimmer ist dennoch wieder im Amt. Wie kann das sein?

Gerade erst hat Zimmer vom Landgericht Landau Post bekommen. In der Klageschrift kann er nachlesen, dass sein Arbeitgeber EnBW von ihm Schadensersatz in zweistelliger Millionenhöhe fordert. Jener Arbeitgeber, der ihn am 9. Dezember erst wieder zum Technikvorstand gemacht hat.

Es geht unter anderem um Unregelmäßigkeiten bei Lieferungen von russischen Partnern. Der Konzern musste für den erlittenen Verlust bereits weit mehr als 100 Millionen Euro abschreiben und verklagte neben Zimmer weitere Führungskräfte der beteiligten Tochtergesellschaften sowie die russischen Partner. Die interne Untersuchung hatte Zimmer entlastet.

Dass er noch zu den Beklagten gehört, habe aktienrechtliche Gründe, um die Ansprüche gegen die anderen Beteiligten zu wahren, heißt es in Branchenkreisen. Dennoch ist es ungewöhnlich, dass ein Konzern einen Vorstand einstellt, gegen den eine Millionenklage läuft. Denn bei einem Prozess ist nie auszuschließen, dass der Richter zu einem anderen Ergebnis kommt als die interne Überprüfung. Ein EnBW-Sprecher bestätigte, dass es keinen Beschluss gebe, die Klage gegen Zimmer fallenzulassen.

Warum das Unternehmen sich in eine so schwammige Position bringt, ist rätselhaft und wohl nur mit höherer Politik erklärbar. Die Mehrheit an EnBW halten zu gleichen Teilen die grün-rote Landesregierung und die von CDU-Landräten dominierten Oberschwäbischen Elektrizitätswerke OEW. Zimmers Wiederberufung erfolgte nur drei Tage, nachdem Vorstandschef Hans-Peter Villis auf Druck der grün-roten Landesregierung bekannt gegeben hatte, dass er seinen im September 2012 auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängern werde. Offensichtlich hat die OEW dafür bei der Besetzung des Technikvorstandes ihre Vorstellung durchsetzen dürfen.

Aufsichtsratschef Claus Dieter Hoffmann wertete Zimmers Berufung als Zeichen der Kontinuität. Der Vorstand sollte nach Villis’ Abgang ab Herbst nicht zu sehr aus Neuzugängen bestehen. Die Abstimmung über Zimmer war im Aufsichtsrat einstimmig. Man hatte sich wohl vorher geeinigt.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " EnBW-Vorstandsmitglied: Entlassen, verklagt - und wieder eingestellt"

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  • Da sieht man es wieder: Bankster, Mänätscher und Prollitiker können tun und lassen, was sie wollen, ihnen passiert nichts.

    So gesehen brauchen wir in Deutschland eigentlich nur zwei Gesetze:

    §1:
    Gehört ein Angeklagter der De-Klasse (von deklassiert) von Bankstern, Mänätschern und Prollitikern an, so ist er unschuldig und freizusprechen.

    §2:
    Gehört ein Angeklagter nicht der De-Klasse von Bankstern, Mänätschern und Prollitikern an, so ist er schuldig, zu verurteilen und mit der Höchststrafe zu bestrafen.

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