Endesa-Chef Manuel Pizarro
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Endesa-Chef Manuel Pizarro gilt als trickreicher Kapitalist. Ein Jahr ist es her, da half ihm der Düsseldorfer Versorger Eon als Retter im Kampf gegen Gas Natural. Doch nur Eon-Konkurrent Endesa hat seither davon profitiert.

MADRID. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Fragen Sie doch die Aktionäre, ob die mit meiner Arbeit zufrieden sind.“ Nervös und mit krächzender Stimme tritt Endesa-Chairman Manuel Pizarro Anfang Februar in Madrid vor die Presse.

Gestenreich rechtfertigt er auf dem Podium im Endesa-Auditorium seinen großen Kampf gegen den Konkurrenten Gas Natural. Der wollte ihn mit einem unfreundlichen Akt übernehmen. Pizarro schlug ihn aber schließlich aus dem Felde. Nun hat ihn Gas Natural verklagt: Pizarro habe den deutschen Konkurrenten Eon seinerzeit bevorzugt, der als weißer Ritter bei Endesa auftauchte.

Und das ist am heutigen Mittwoch genau ein Jahr her. So lange geht nun das Techtelmechtel schon zwischen Eon und Endesa im Hintergrund. Doch immer wieder hat es Pizarro geschickt vermieden, klar in der Öffentlichkeit Stellung zu beziehen, sich offiziell zu Eon als Fusionspartner zu bekennen.

Die Hinhaltetaktik des 56-Jährigen hat sich zumindest für die Endesa-Aktionäre bislang ausgezahlt. So brachte er Eon dazu, den Preis je Aktie zum dritten Mal zu erhöhen, zuletzt von 35 auf 38,75 Euro. Vor Beginn des Übernahmekampfes war das Papier gerade mal rund 18 Euro wert. Jetzt haben die Aktionäre bis Ende März Zeit, um über das Angebot zu entscheiden.

Für Pizarro selbst hat sich die Abwehrschlacht ebenfalls schon gelohnt. Sollte er abtreten, wenn Eon den Konzern übernimmt, wartet auf ihn eine zweistellige Millionenabfindung. Verkauft er seine Aktien, macht er einen Gewinn von über 100 Prozent.

Pizarro, der konservative und strenggläubige Jurist, der neben dem Gesetz vor allem auf die Bibel schwört, hat sich als knallharter Kapitalist erwiesen, den seit dem Auftauchen von Eon vor allem eines interessierte: „Wie kann ich dadurch noch mehr für mich und die Aktionäre herausholen?“

Als im vergangenen September der spanische Baukonzern Acciona sich an Endesa beteiligte, wetterte Pizarro zwar gegen die feindlichen Absichten von Acciona. Doch letztlich half ihm der Baukonzern, den Wert der Endesa-Aktie noch einmal deutlich in die Höhe zu treiben. So musste Eon sein Angebot ein erstes Mal erheblich von 24,5 auf 35 Euro je Aktie steigern.

Doch inzwischen wird seine Leistung allgemein anerkannt. Selbst bei Eon findet man mittlerweile Lob für den Mann, der während der vergangenen Monate über alle Banden spielte und nicht immer sauber. „Er und sein Management haben sich letztendlich sehr professionell verhalten und ihre Kompetenz während dieser Schlacht enorm gesteigert“, sagte Eon-Vorstandschef Wolf Bernotat Anfang Februar vor deutschen Journalisten in Madrid. Und er fügte hinzu: „Tatsächlich ist Endesa jetzt mehr wert als vor einem Jahr.“

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