Erneuerbare Energien
Solar-Subventionen sind Gift

Die hohe Förderung des Sonnenstroms steht einer politischen Umkehr hin zu erneuerbaren Energien im Weg.

Die Solarförderung der Bundesregierung ist in den vergangenen Jahren völlig aus dem Ruder gelaufen - und mittlerweile hat sie geradezu groteske Züge angenommen. Die Stromverbraucher müssen für die bis Ende vergangenen Jahres installierten Anlagen über 80 Milliarden Euro bezahlen. In diesem und im nächsten Jahr kommen weitere 20 Milliarden Euro hinzu. Und das, obwohl die Sonnenenergie insgesamt nur zwei Prozent unserer Stromversorgung deckt.

Die Windkraft dagegen hat mit sechs Prozent einen zumindest nennenswerten Anteil an der Elektrizitätsgewinnung in Deutschland erreicht. Doch sie wird, wie auch andere alternative Energieformen oder Energie-Einsparmodelle, eher stiefmütterlich behandelt. Neun Cent erhalten die Betreiber von Windkraftanlagen für jede Kilowattstunde, während die Besitzer von Solaranlagen auf dem Dach für dieselbe Menge 30 Cent einstreichen können. Sie erzielen mit ihren Sonnenkollektoren Traumrenditen, wie es sie sonst nur bei hochspekulativen Wertpapieren gibt.

Die Subventionspolitik dieser und vorhergehender Bundesregierungen lässt sich im Bereich der erneuerbaren Energien auf den einfachen Punkt bringen: Wir fördern vom Teuersten am meisten! Und das, obwohl die unsinnige Regelung in der Republik mittlerweile nicht nur für eine Umverteilung von Nord nach Süd sorgt - sondern auch für eine von den Armen zu den Reichen.

Letztere können sich Eigenheime leisten und die rentablen Panels aufs Dach schrauben. Erstere aber wohnen in Mietwohnungen und bezahlen die Traumrenditen der Besserverdienenden mit ihrer Stromrechnung. Kein Wunder also, dass auch einige FDP-Politiker gegen eine Kürzung oder Deckelung der Solarförderung sind.

Die Verwerfungen sind mittlerweile so groß, dass sie politische Zwänge erzeugen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer beispielsweise tut sich schwer, den Subventionen Einhalt zu gebieten, schließlich profitieren seine Landsleute überproportional von den Milliarden aus dem Sonnenstrom.

Dabei ist eines klar: Sollte die Bundesregierung dabei bleiben, schneller als geplant aus der Kernkraft aussteigen zu wollen, dann muss sie aufhören, der unter deutschen klimatischen Verhältnissen ineffizientesten Technologie das meiste Geld hinterherzuwerfen.

Die Atomwende - ob sie nun sinnvoll ist oder nicht, sei einmal dahingestellt - erfordert eine Kürzung der Solarförderung und nicht deren Erhöhung.

Der Autor leitet das Ressort Unternehmen und Märkte.

Wolfgang Reuter
Wolfgang Reuter
Handelsblatt / Ressortleiter
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