EU-Wettbewerbskommissarin
Eiserne Lady

EU-Kommissarin Nellie Kroes mag leise Töne. Als die Wettbewerbskommissarin vor einem Jahr im Streit mit Microsoft als Siegerin hervorging, reagierte sie äußerst zurückhaltend. Auch ihren jüngsten Triumph über die WestLB dürfte Kroes nicht groß feiern. Im Streit mit der Bank reichte eine Demonstration ihrer Stärke.

BRÜSSEL. In der EU-Kommission gibt es einige Kommissare, die selten Erfolge vorzuweisen haben, diese wenigen aber lauthals feiern. Bei Neelie Kroes ist es genau umgekehrt. Die Wettbewerbskommissarin aus den Niederlanden hat schon viele Siege errungen - doch aufs Feiern versteht sie sich nicht. Als sie vor einem Jahr im 500-Millionen-Euro-Streit mit Microsoft recht bekam, ließ sie nicht etwa die Champagner-Korken knallen, wie es mancher Kollege gemacht hätte. Vielmehr gab sie sich zugeknöpft, als sei ihr der Erfolg irgendwie unheimlich.

Mit einem kargen "Ja" oder "Nein" beschied sie Journalisten, die Details des Microsoft-Deals wissen wollten - Nachfrage unerwünscht.

Auch ihren jüngsten Triumph über die WestLB dürfte Kroes nicht groß feiern. So hat es im Streit mit den Düsseldorfern schon gereicht, ein wenig die Krallen auszufahren. Die 67-jährige Grande Dame mit den langen, feinen Fingern und den grellrot lackierten Nägeln drohte mit einem Beihilfeverfahren; die WestLB knickte prompt ein. Ihren großen Auftritt hatte Kroes allerdings schon vorher, bei einem diskreten Treffen mit dem Banken-Vorstand. Ziemlich bissig kündigte die gewiefte Ökonomin gleich zu Beginn des Gesprächs das Ende der WestLB-Saga an - damit war der Fall für sie erledigt und die Bank gleich mit. Kroes will einen kompletten Neuanfang für das öffentlich-rechtliche Institut.

Die WestLB war im vergangenen Jahr im Zuge der Finanzkrise unter die Räder gekommen. Hinzu kamen hausgemachte Fehlspekulationen im Aktienhandel. Die Eigentümer sicherten unter Führung des Landes mit einer milliardenschweren Garantie das Überleben der Bank. Die EU-Kommission billigte die staatliche Stützung als Notfallbeihilfe, damit ging aber auch die Gestaltungshoheit über den künftigen Weg auf Brüssel über.

Wie groß die Macht der überzeugten Liberalen aus Rotterdam ist, zeigte sich auch im Streit mit dem deutschen Energieriesen Eon. Kroes drohte mit dem Kartellrecht und einer Milliardenbuße. Noch bevor das EU-Verfahren richtig in Gang gekommen war, knickte Eon-Chef Wulf Bernotat ein und versprach, das unternehmenseigene Stromleitungsnetz und einige Kraftwerke abzugeben. Für die Kommission war das nicht nur ein Sieg über Eon, sondern auch über die Bundesregierung, die die Abtrennung der Stromnetze vehement abgelehnt hatte.

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