„European Banker of the Year“
Josef Ackermann musste warten

Er musste länger darauf warten, als ihm vielleicht lieb war – am gestrigen Montagabend war es dann aber endlich soweit: Josef Ackermann hat den von einer Journalistenjury vergebenen Ehrentitel „European Banker of the Year“ erhalten.
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FRANKFURT. Wenn Josef Ackermann, Deutsche-Bank-Chef, in seiner schmal bemessenen Freizeit einst darüber grübelte, warum er den jährlich in Frankfurt von einer Journalistenjury vergebenen Ehrentitel „European Banker of the Year“ noch nicht erhalten hat, bot sich ihm ein Trost: Es gab einige unter den Geehrten, deren Ruhm so schnell zerschmolz wie der zu frühe Schnee im Herbst.

So war die Ehrung von UBS-Konzernchef Peter Wuffli zum besten europäischen Banker des Jahres 2005 bereits zwei Jahre später, als die Schweizer ihren Spitzenmann wegen zu hoher Risikoneigung entließen, ein bisschen peinlich. Auch mit Fred Goodwin, dem Konzernchef der Royal Bank of Scotland, wurde ein Banker auf den Frankfurter Thron gehoben, der in der Finanzkrise eine der größten staatlichen Rettungsoperationen erzwang.

So einen Preis kann er getrost anderen überlassen, mag sich Ackermann gedacht haben, wenn der Kelch mal wieder an ihm vorübergegangen war.

Seit diesem Sommer nun sieht die Sache anders aus. Die Jury votierte nach bald 20-jährigem Schweifen ins Ausland für einen Banker aus Deutschland – für Ackermann eben. Am gestrigen Montagabend erhielt er seine Auszeichnung und nahm die Ehrung im Kreis seiner Vorgänger, Hilmar Kopper und Rolf E. Breuer, sowie im Beisein von Bundesbank-Chef Axel Weber entgegen. Ackermann habe der Bank eine klare Strategie verordnet, in der Krise Kurs gehalten, habe das Deutschland-Geschäft ausgebaut und sich als überzeugender Werber für den Finanzplatz Frankfurt betätigt, lautet die Begründung der Jury.

Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker verwies in seiner Laudatio auf die „Karriere im Schnellschritt“. Der Schweizer habe trotz seines Erfolgs nie die Bodenhaftung verloren, er wirke „echt, offen und glaubwürdig“.

Überraschend sollte Ackermann gestern auch persönlich einen Beitrag für Irland leisten. Ein Kamerateam hielt ihm nämlich ein rosa Sparschwein vor die Brust mit der Bitte um eine Spende für das krisengeschüttelte Land. Als Ackermann das passende Kleingeld fehlte, fütterte sein Kommunikationschef Stefan Baron das Porzellantier mit einigen Münzen. In der Schuldenkrise ließ sich der Branchenprimus zumindest an diesem Abend also nicht lumpen.auch nicht, wenn wir einige von ihnen unter den Tisch fallen lassen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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