Ex-Infineon-Chef
Schumachers dümmster Fehler

Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher steht wegen Bestechlichkeit, Steuerhinterziehung sowie wegen Untreue und versuchten Betrugs vor Gericht. Eingebrockt hat ihm das seine Leidenschaft für Autos. Nun bekennt er: Es sei sein „dümmster Fehler“ gewesen.

MÜNCHEN. Äußerlich hat er sich kaum verändert: Die Haarlänge bewegt sich weiter im Millimeter-Bereich, die Haut ist leicht gebräunt, und der Bauch drückt etwas über den Gürtel. Doch als Ulrich Schumacher am Montag kurz nach halb elf im Saal B 173/I des Strafjustizzentrums München das Wort ergreift, da offenbart er einen Wesenszug, für den er bislang nicht bekannt war: Selbstkritik.

„Ich habe Fehler gemacht“, gesteht der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Münchener Chipherstellers Infineon und schiebt hinterher, dass er heute viele Dinge anders machen würde. Es sei sein „dümmster Fehler“ gewesen, sein Hobby mit der Firma zu verbinden, gibt sich der sonst so angriffslustige Ingenieur, der nie um einen lockeren Spruch verlegen ist, an diesem Tag demütig.

Seine Leidenschaft für schnelle Autos hat den 51-Jährigen, der bei Infineon im Frühjahr 2004 gehen musste, auf die Anklagebank gebracht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Unternehmersohn vor, er habe in den Jahren 2000 bis 2003 Geld vom Sponsorenvermittler Udo Schneider genommen, um damit an Autorennen teilzunehmen.

Schumacher muss sich wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr und Steuerhinterziehung in jeweils acht Fällen sowie wegen Untreue und versuchten Betrugs in jeweils einem Fall verantworten. Die Vorwürfe bestreitet Schumacher an diesem ersten Verhandlungstag rundum. „Ich war und bin nicht käuflich“, sagt der Halbleiterexperte, der drei Anwälte verpflichtet hat, mit fester Stimme.

Schneider, der Zahlungen eingeräumt hat und dafür 2006 zu vier Jahren Haft verurteilt wurde, sei früher sein engster Freund gewesen, erläutert Schumacher. Er habe den einstigen Geschäftspartner aus persönlicher Zuneigung immer wieder unterstützt und ihm für seine Verteidigung vor Gericht ein Darlehen über 400 000 Euro gewährt. Schneiders Anwälte hätten später aber weiteres Geld gefordert und durchblicken lassen, dass ihr Mandant andernfalls sein „Aussageverhalten ändern“ könnte. Das habe er als „eindeutige Erpressung“ gewertet und schließlich abgelehnt, sagt Schumacher.

Hat am Ende also gar nicht Schneider seinen Kumpel Schumacher bestochen, um an Aufträge von Infineon zu kommen, wie die Staatsanwaltschaft behauptet? Hat nicht eher Schumacher seinem Compagnon immer wieder Geld zukommen lassen, um ihm zu helfen?

Dieses Bild zeichnet Schumacher an diesem regnerischen Montag. Gemeinsam hätten sie teure Rennwagen gekauft, erst moderne Fahrzeuge, dann Oldtimer – manchmal auch wieder abgestoßen. Die Kosten für die Autorennen habe er alle selbst bezahlt.

Schumachers Ex-Vorstandskollege Andreas von Zitzewitz hat 2006 gestanden, er habe rund 100 000 Euro vom Werbevermittler Schneider angenommen. Er kam mit Bewährungs- und Geldstrafen davon.

Zwei Wochen Urlaub hat sich Schumacher zunächst einmal genommen, um beim Prozess dabei zu sein, der auf 15 Verhandlungstage angesetzt ist. Denn er arbeitet inzwischen in Schanghai. Er ist der erste Deutsche, der ein großes chinesisches Unternehmen leitet. Zuvor hat er nach seinem Rauswurf bei Infineon drei Jahre in der Private-Equity-Branche verbracht. Seit Herbst 2007 mischt er wieder in der Halbleiterindustrie mit. Allerdings spielt er mit Grace Semiconductor nicht mehr in der Champions League wie einst mit Infineon.

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