Ex-NRW-Medienfrau geht zur PR-Beratung Brunswick
Die doppelte Meckel

DÜSSELDORF. Es gibt Professoren, die stöhnen über die hohe Arbeitsbelastung, über die vielen Vorlesungen, Klausuren, Doktoranden. Und es gibt Miriam Meckel. Der ehemaligen Staatssekretärin des Landes Nordrhein-Westfalen hat eine Professur allein noch nie gereicht.

Auch jetzt nicht: Am 1. Oktober übernimmt sie eine Professur am St. Gallener Institut für Medien und Kommunikationsmanagement, wo auch Peter Glotz bis zu seinem Tod lehrte. Gestern nun wurde bekannt, dass sie außerdem Partnerin der Kommunikationsberatung Brunswick wird und für diese das Berliner Büro aufbauen soll – gemeinsam mit PR-Berater Thomas Wimmer und Ex-Finanzminister Theo Waigel.

Eine weitere überraschende Wendung im Leben der 38-Jährigen. Mit gerade 26 Jahren wurde sie Chefin vom Dienst und Moderatorin des Regionalprogramms RTL West. 1995 wechselt sie zum WDR und übernimmt einen Lehrauftrag an der Uni Münster. Als dort ein Professor stirbt, wird ihr der Posten angeboten – sie bekommt ihn 1999 ohne Habilitation, mit 31 Jahren ist sie die jüngste Professorin Deutschlands. Dann, im Jahr 2000, schreibt sie für die „Welt am Sonntag“ ein kitschig anmutendes Porträt über Landesmutter Karin Clement. Ein Jahr später macht Wolfgang Clement die bekennende SPDlerin zur Regierungssprecherin, Staatssekretärin und Medien-Vorzeigefrau.

Ein wechselvoller Job: Erst steht sie für Clements Traum, NRW zum Medienstandort Nummer eins zu machen – dann unter Peer Steinbrück für den radikalen Abbau der Subventionen. Dass auf Dauer für eine Medien-Staatssekretärin in Düsseldorf kein Bedarf mehr sein würde, hat sie frühzeitig erkannt. 2003 taucht sie im Schattenkabinett der SPD im hessischen Landtagswahlkampf auf – doch die CDU gewinnt.

Nun also Berlin und St. Gallen. Dort sind Jobs neben der Professur erwünscht, erklärte gestern eine Sprecherin. Hätte Meckel ihr Engagement jedoch nach dem 1. Oktober bekannt gegeben, hätte sie es in St. Gallen anmelden müssen. In Münster erinnern sich noch einige Ex-Studenten, was die Folge von Meckels erster Doppelarbeit war: spärliche Anwesenheit der Professorin.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%