Ex-Staatssekretär ohne Berührungsängste
Rezzo Schlauch berät EnBW

Rezzo Schlauch, von 2002 bis 2005 Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, hat den vorgezogenen Bundestagswahlkampf vergangenes Jahr nicht mehr mitgemacht und sich aus der Politik zurückgezogen. Seither ist er als Anwalt tätig – und zeigt wenig Berührungsängste gegenüber Gegnern aus vergangenen Tagen.

HB STUTTGART. Die Zeiten, als Rezzo Schlauch mit Joschka Fischer mittags vom Bundestag Unter den Linden zu Berlin zum Café Einstein schlenderte und als Fraktionsvorsitzender der Grünen die bundespolitische Lage mit dem Außenminister diskutierte, sind lange vorbei.

Bereits im Dezember sorgte der Grünen-Politiker für hochgezogene Augenbrauen, als er eine Kooperation mit der Münchener Kanzlei Mayer & Kambli bekannt gab. Die Kanzlei wird in München dem CSU-Umfeld zugerechnet.

Wenig Berührungsängste gegenüber Gegnern aus vergangenen Tagen zeigt Schlauch auch nun wieder. Er wurde Mitglied im Beirat der Energie Baden-Württemberg (EnBW), wie aus dem Geschäftsbericht des Konzerns hervorgeht.

Der drittgrößte deutsche Energieversorger betreibt immerhin vier Kernkraftwerke. Den Ur-Grünen, seit 1980 Parteimitglied, hindert das nicht. Er sei auch weiterhin gegen Kernkraft, sagte Schlauch dem Handelsblatt. Zur ersten Beiratssitzung im vergangenen Dezember wollte er sich aber nicht äußern und ließ so offen, ob er diese Opposition dort auch kundgetan und stattdessen für erneuerbare Energien gestritten hat. „Herr Schlauch ist eine Persönlichkeit mit sehr prägnantem Profil, Kenntnis- und Erfahrungshintergrund an der Schnittstelle zwischen Ökonomie und Gesellschaft, was die bisherige Konstellation im Beirat wirkungsvoll abrundet“, begründet EnBW seine Aufnahme in den Beraterkreis.

Dem Gremium gehören 37 Personen an, darunter die Ex-Minister Klaus Kinkel, Theo Waigel und Mathias Wissmann sowie Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Für die zwei Sitzungen pro Jahr zahle EnBW nach eigenen Angaben eine „wettbewerbsübliche Vergütung“. Auch die EnBW-Konkurrenten RWE und Eon verfügen über derartige Beiräte, die allerdings nicht zu verwechseln sind mit den Aufsichtsräten. Die meisten Industriekonzerne verzichten dagegen auf Beiräte.

Wie Schlauch haben auch andere rot-grüne Ex-Politiker Posten in der Wirtschaft gefunden. Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement berät den US-Bankriesen Citigroup und ist Aufsichtsrat beim Dienstleister Dussmann und bei RWE Power, der Kraftwerkstochter des Konzerns. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder berät den Schweizer Medienkonzern Ringier und die Ruhrkohle AG.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%