Ex-Sumitomo-Mitsui-Chef soll japanische Post privatisieren
Nishikawas Comeback

Als Yoshifumi Nishikawa im Sommer sein Amt als Präsident der drittgrößten japanischen Bankengruppe Sumitomo Mitsui niederlegte, hielten alle die Karriere des 67-Jährigen für beendet. Spannend hatte er es gemacht.

HB TOKIO. Gegen alle Konventionen der japanischen Finanzwelt setzte er dem Übernahmeangebot des Konkurrenten Mitsubishi-Tokyo für die UFJ-Bankengruppe einfach ein eigenes entgegen. Das hätte ihn zum Chef der Riesen-Bank gemacht – doch sein Angebot scheiterte.

Nun ist er zurück: Am Freitag gab die japanische Regierung bekannt, dass Nishikawa Präsident der neuen Post-Holding werden wird. Die japanische Post übertrifft mit umgerechnet mehr als 2,5 Billionen Euro an Spar- und Versicherungseinlagen jede Privatbank um ein Weites – und ist damit eigentlich die größte Bank der Welt. Zwischen 2007 und 2017 soll sie voll privatisiert werden. Postminister Heizo Takenaka, selbst als Kämpfer gegen vorherrschende Meinungen in der Regierungspartei LDP bekannt, wollte niemand anderen als Nishikawa.

Der Jurist, wegen seiner jahrelangen Erfahrung an der Spitze einer Großbank ausgewählt, weiß, welcher Brocken vor ihm liegt: „Die Privatisierung wird die weitreichendste Reform seit der Meiji-Zeit.“ Unter dem Meiji-Kaiser im 19. Jahrhundert hatte Japan aktiv Wissen und Technologien aus dem Ausland importiert.

Vier Jahre lang stand er ab 1997 an der Spitze der Sumitomo-Bank, nach der Übernahme der Sakura-Bank dann weitere vier Jahre an der Spitze der Mitsui-Sumitomo-Bankengruppe. Unter ihm bewältigte die Bank die gewaltigen Probleme mit faulen Krediten, auch wenn andere Wettbewerber wie Mitsubishi-Tokyo damit schneller waren. Nishikawa knüpfte zudem starke Bande mit Goldman Sachs und gründete mit Daiwa Securities ein Joint Venture – ein Schritt, der durch die nun fallenden Grenzen zwischen Wertpapierhäusern und Banken richtungsweisend war.

Von Januar kommenden Jahres an wird Nishikawa nun Chef eines Vorbereitungsunternehmens zur Postprivatisierung. Im Herbst 2007 soll Japan Post, derzeit ein öffentliches Unternehmen, dann in vier Einheiten – Spar-, Versicherungs-, Briefgeschäft sowie Filialbetrieb – aufgespalten werden. Den Chefsessel bei der darüber stehenden Holding wird er im zarten Alter von 69 Jahren übernehmen.

Seine beratenden Ämter bei Mit-sui-Sumitomo legt Nishikawa nieder. Dennoch hätte so mancher Wirtschaftsführer lieber einen erfahrenen Manager jenseits der Finanzbranche an der Spitze der Postprivatisierung gesehen, um jeden Verdacht von Interessenkonflikten zu vermeiden. Als Chairman der japanischen Banker-Vereinigung hatte Nishikawa noch für die Abschaffung des Post-Spargeschäfts plädiert.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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