Ex-Vorstandschef Fujio Cho wird Aufsichtsratschef
Toyotas Eminenz

Erst war er Konzernchef, zwischendurch Mitglied des Vorstands, und nun ist er als Verwaltungsratschef die eigentliche Nummer eins bei Japans größtem Autobauer Toyota. Doch im Fall von Fujio Cho ist nicht so wichtig, welcher Titel gerade auf seiner Visitenkarte steht.

TOKIO. Der 69-Jährige hält ohnehin seit Jahren alle Fäden in der Hand, weil er wie kaum ein zweiter Manager die richtigen Leute kennt. Obwohl die Führungsmethoden in Japans Wirtschaft transparenter werden, kontrollieren weiterhin die großen, alten Männer wie Fujio Cho die Großkonzerne an den offiziellen Strukturen vorbei – auch Aktiengesellschaften von Weltformat.

Bei Toyota ist der wichtigste Machtfaktor ein gutes Verhältnis zur Gründerfamilie Toyoda. Das hat der neue und alte starke Mann seit langem. Cho ist erst der zweite Außenseiter, den die Toyodas 1999 an die Spitze ihres Konzerns lassen. Mit 23 Jahren war er in den Konzern eingetreten und den Mitgliedern der Familie Toyoda durch besondere Leistungen aufgefallen. Seitdem verlassen sie sich darauf, dass ausgerechnet ein Mann mit einem chinesischen Namen die Geschicke des Unternehmens in ihrem Sinne lenkt.

Von 1988 bis 1994 führt Cho die US-Sparte des Autokonzerns. Von zu Hause bringt er das Toyota-Produktionssystem mit, das in der Branche zum bewunderten Vorbild wird. In den USA lernte Cho zusätzlich moderne, offene Unternehmensgefüge kennen. Während der für Japan besonders wirtschaftsschwachen 90er-Jahre sorgte er als Generaldirektor für eine rasante Steigerung der Produktivität durch die Einführung von immer mehr Informationstechnik – er nutzte die Möglichkeiten der Computer voll aus.

Das Streben nach Effizienz lässt ihn als einen der ersten Japaner auch nach Partnern außerhalb des Konzerns suchen. Mit dem Rivalen General Motors erforscht er die Wasserstofftechnik. Mit Volkswagen verhandelt er über die Standardisierung von Bauteilen, um die Herstellungskosten senken zu können.

Die Kombination aus internationaler Erfahrung, souveräner Organisationsfähigkeit und erwiesener Loyalität zur Gründerfamilie macht ihn zum perfekten Konzernchef, als die Toyodas Ende der 90er-Jahre den Zeitpunkt für gekommen halten, einen Mann für die Expansion an die Spitze zu heben. Vorstandschef Okuda muss Cho weichen.

In seinen sechs Jahren als Chef des Autokonzerns glaubt Cho fest daran, dass ein gut organisiertes Unternehmen auch dann wachsen kann, wenn die Wettbewerber nicht voran-kommen. Unter seiner Führung steigt der Umsatz von Toyota um 30 Prozent, während andere Autobauer mit sinkenden Verkaufszahlen zu kämpfen haben. Der operative Gewinn von Toyota verdoppelt sich.

Allerdings pokert Cho auch mehrfach hoch: Einiges hätte auch schief gehen können. Am US-Markt etwa setzt Cho voll auf Wagen mit Hybridantrieb: „In der Zukunft werden umweltfreundliche Autos keine Option mehr sein, sondern ein Muss.“ Die Konkurrenz hingegen winkt ab, doch Fujio Cho behält Recht. Die sparsamen Autos werden zu Verkaufsschlagern. Die strengen Emissionsgesetze des Staates Kalifornien fachen den Boom zusätzlich an. Heute macht Toyota rund 60 Prozent seines Gewinns in den USA.

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