Exklusiv-Umfrage
Firmen verschlafen Gleichbehandlungs-Gesetz

Die meisten Unternehmen in Deutschland haben sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz nicht vorbereitet – obwohl es bereits am 1. August in Kraft tritt und schon im Vorfeld viel zu tun ist. Viele ärgert und verunsichert jedoch das neue Gesetz.

DÜSSELDORF. „Gerade mal 20 Minuten dauert die Sitzung am PC. Sind die Multiple-Choice-Fragen beantwortet, kann sich jeder ein Zertifikat ausdrucken. Wer zu wenige Punkte hat, muss so lange üben, bis auch er fit ist in Sachen Antidiskriminierung“, erzählt Gerd Zinssius, Leiter des Personalstabs der Dresdner Bank. Spielerisch – und diskret – übers Intranet will der Finanzriese seine Mitarbeiter sensibilisieren, damit sie bei der Arbeit niemanden diskriminieren. Zinssius: „Für alle Mitarbeiter ist die interaktive Schulung Pflicht. Führungskräfte trainieren wir mit praktischen Fällen ganz intensiv.“ Die wenigsten Unternehmen aber bereiten ihre Belegschaft so flächendeckend auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz vor. Obwohl es – nach langem Hin und Her – im August schon in Kraft tritt.

61 Prozent der Firmen geben offen zu: Wir haben noch keinerlei Vorbereitungen für das neue Gesetz getroffen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Zeitarbeitsfirma Randstad mit dem Handelsblatt und Innofact (Stand Ende Juni). Beteiligt haben sich 252 Personalentscheider aus einem Querschnitt von Unternehmen. Nur 13,5 Prozent der Befragten meinen, ausreichend vorbereitet zu sein. Ein Viertel begnügt sich mit den hauseigenen Statuten in Sachen Gleichbehandlung.

„Die meisten Firmen – mal abgesehen von den Großunternehmen und US-Töchtern – verschlafen gerade das Gesetz. Der Mittelstand ist quasi unvorbereitet“, konstatiert Stefan Tomicic, Arbeitsrechtler bei der Kanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz. Heide Franken, Geschäftsführerin von Randstad Deutschland, meint: „Nach dem jahrelangen Gezerre blicken die meisten Firmen bei den vielen Details jetzt nicht mehr richtig durch.“ Fast 70 Prozent der Personaler geben zu, die Einzelheiten des Gesetzes nicht zu kennen. Tomicic warnt: „Unternehmen unterschätzen, welche Folgen es hat und wie teuer sie Verstöße dagegen zu stehen kommen können.“

Dabei gibt es schon im Vorfeld viel zu tun: Das Gesetz verpflichtet Arbeitgeber, die „erforderlichen Maßnahmen zum Schutz vor Benachteiligung“ zu treffen. „Die Unternehmen müssen also jedem Mitarbeiter den Gesetzesinhalt bekannt machen – sei es durch Aushänge, Intranet oder Schulungen. Das verschafft ihnen eine gewisse Entlastung bei einer Klage vor Gericht“, erläutert Tomicic.

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